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They don’t know

05 Jan

Ich finde, dieser Titel, von Tracy Ullman gesungen, passt wirklich bestens zu dem, was ich nun zu schreiben habe. Es regt mich furchtbar auf, eigentlich schon seit Montagabend, wo ich diesen Blätterwust durchgegangen bin. Noch am Vormittag hatte ich bei der Zeitungslektüre gedacht, da wirst du garantiert zugehören. Hoffte aber immer noch inständig, das mein Gefühl mich täuschen würde. Doch als ich nach Hause kam und diesen Brief aus dem Kasten nahm mit der Aufschrift, da wusste ich, was es geschlagen hatte.
Wovon ich überhaupt spreche? Na, vom Zensus 2011. Dieser Schwachsinns-Volkszählung, die sich die EU ausgedacht hat. Und wahrscheinlich muss ich diesen Mist – es gebe ein treffenderes Wort, das ich durch das hier gewählte ein wenig abmildere – auch noch tatsächlich ausfüllen. Ich will es nicht, aber wenn ich es nicht tue, drohen mir bis zu 5.000 Euro Geldbusse. Das will ich natürlich nicht zahlen, aber dann sollen die auch nicht erwarten, dass ich diesen unverschämten Fragebogen auch ehrlich beantworte. Ich beantworte doch so schon keine Fragen, wo ich mich doch gleich ausziehen könnte, bei all den Sachen, die sie wissen wollen. Bis jetzt habe ich ihn ja noch nicht, aber gewiss kommt irgendwann die Info, dass es mich getroffen hat. Janz doll!
Wahrscheinlich spreche ich immer noch in Rätseln. Also, dann versuche ich es ein wenig einfacher zu erklären, was dieser Zensus2011 ist. Es gibt eine Völkszählung, wo die EU europaweit Wissen sammeln möchte – wofür sie das später auch immer verwenden wollen, sicherlich zu unserem Nachteil. Bei dieser Volkszählung werden aber nicht nur die ganzen Bewohner gezählt, sondern auch Daten von den jeweiligen Personen, die aus dem Melderegister gezogen werden. Und dann noch irgendwelche Gebäude und Einrichtungen, die man besitzt. Dazu haben die Behörden in Deutschland aber keinen Zugriff, weshalb das manuell und stichprobenartig ausgefüllt werden muss. Da hat es Steve & Co. getroffen. Jeder von denen hat so einen Zettel bekommen, aber sie verweisen einfach auf den wahren Besitzer des Hauses, der von seinem Glück noch gar nicht weiss. Ich allerdings habe keine Gebäudebefragung, dazu wohne ich nun einmal in einer Mietwohnung und der Vermieter muss sich darum kümmern. Nein, ich werde garantiert das weit schlimmere Übel erwischen, nämlich die Personenbeschreibung, also Haushaltsbefragung. Und was die da alles wissen wollen. Ich gebe hier nur mal eine kleine Auswahl wieder: welcher Religion gehören Sie zu (geht die das was an, an was ich glaube und nicht glaube?), welchen Abschluss haben Sie (was glauben die wohl, wenn man in Bayern lebt?), welchen Beruf haben Sie (das ist mir gerade entfallen, Idiot vom Dienst vielleicht, so könnte man meinen Beruf manches Mal zutreffend beschreiben), arbeiten Sie am 09.Mai und wenn nein, warum nicht (weil ich gerade auf den Mond geschossen wurde). Wer sich für noch mehr Fragen interessiert, der kann sie auf der Zensus2011-Seite im Internet begutachten, ist ein dicker Fragebogen. Ach ja, was ich noch vergass zu erwähnen. Sie wollen auch wissen, ob die eigenen Eltern oder man selbst hier in Deutschland geboren wurde oder nach 1955 ins Land kam. Was soll ich da denn schreiben? Ich bin ja nicht mal hier geboren worden. Das geht die wirklich nichts an, also werde ich ein wenig Erfindungsreichtum ans Licht bringen. Und somit passt mein Titel hervorragend. Denn sie wissen ja nicht, dass es nicht stimmt, was ich da im Schweisse meines Angesichts mir ausgedacht habe. Werde ich dann, wenn die Fragen mir zugeschickt werden, mal eine halbe Stunde in der Redaktion für aufwenden müssen, um das online auszufüllen. Meine Wahrheit ist die, die ich geschrieben habe. Denn die Wahrheit ist, das es keine Wahrheit gibt und nie gegeben hat. Kurz: Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast, wie ein früherer Lehrer von mir mal sagte, als wir solche dämlichen Fragebögen beantworten mussten. Da habe ich auch nur hingeschrieben, was ich wollte, aber nur ja nicht die Wahrheit. Denn die ist absolut geheim, oder lade ich hier etwa Bilder von mir hoch oder verrate meinen ganzen richtigen Namen? Es reicht doch wirklich schon, was ich hier immer so alles schreibe. Da weiss man genug von mir.
Zu mehr schreiben bin ich jetzt nicht mehr fähig, aber das musste gesagt werden. Ich bin mal wieder sauer und stinkig wie ein Alpaka und ein Lama zusammen – und das seit Montagabend.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 5. Januar 2011 in Musik, Real life, Tiere

 

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Eine Antwort zu “They don’t know

  1. Chun Li

    6. Januar 2011 at 11:47

    Seh ich auch so, dass du mit jeder Wahrheit, die du freiwillig abgibst, dein eigenes Grab schaufelst. Gibt da diese berühmten Anekdoten: Beim Psychater: „Was sehen sie daraus!“ „Eine Spinne“ „Sie sind ein Kinderschänder (statistisch)“
    Und ich warte immer noch auf den Tag, an dem das BKA vor meiner Tür steht: „Sie haben online dieses Buch gekauft, wir nehmen sie in gewahrsam, weil sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einen Amoklauf in den nächsten 9.3 Tagen vornehmen!“
    Darum is jeder, der freiwillig Informationen über sich verbreitet saudumm und ein dankbares Opfer für Manipulationen.

     

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