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Zensus 2011 – Was sollen die ganzen Fragen?

16 Mai

Schade, dass es mit dem letzten Platz beim Eurovision Song Contest nichts geworden ist. Hatte eigentlich fest damit gerechnet, denn dieses Lied war absolut nichts – und die „Sängerin“ erst recht nicht. Dennoch reichte es noch für den zehnten Platz, dafür aber mit weniger als der Hälfte an Punkten, die das Siegerland bekommen hat. Und das ist: … Überraschung, Überraschung! ASERBAIDSCHAN! Tatsächlich, dieses kleine Land, dessen Namen am Samstag einige vielleicht zum ersten Mal gehört haben werden, hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Aserbaidschan, wo zur Hölle liegt das eigentlich? Ist das überhaupt noch Europa? Es grenzt unter anderem an den Iran an und der liegt mit absoluter Sicherheit nicht in Europa, aber Israel genauso wenig, dennoch sind diese Länder dabei, wenn sie denn das Halbfinale überstehen. Aserbaidschan liegt mehr in Asien, als in Europa, auch wenn sie 2001 Mitglied des Europarats wurden. Allerdings gilt als europäische Grenze das Kaspische Meer und Aserbaidschan liegt definitiv davor, also doch noch Europa. Dennoch werden die meisten von diesem Land kaum was gehört haben. Vielleicht im Zusammenhang mit dem Bau einer Eisenbahnlinie in die Türkei, wobei Armenien ausgerenzt wird oder aber im Zusammenhang mit Erdöl. Oder etwas ganz anderes??? Moment mal, kurz nachgedacht. Ja, vielleicht: Aserbaidschan, war da nicht irgendwas mit Fussball? Richtig, Deutschland spielt in seiner EM-Quali-Gruppe gegen Aserbaidschan. Und wer ist Trainer des Teams? War auch einmal Bundestrainer und wurde 1996 Europameister. Weiss es jemand? Genau, es ist Hans-Hubert „Berti“ „Terrier“ Vogts. Trotz der lausigen Bilanzen bleibt er weiterhin Nationaltrainer. Aber Berti verfolgt auch das langfristige Ziel, den Jugendfussball dort aufzubauen.
Aber zurück zum Grand Prix, den ich furchtbar fand. Regina hatte das kurz eingeschaltet und ich bekam die Fernbedienung nicht in die Hand, um irgendwoanders hinzuschalten – wobei eh nichts Vernünftiges in der Kiste lief. Als ich anfing irgendwelche fünfziger Jahre Lieder zu gröhlen, zappte Regina endlich weg. Mehr habe ich dann davon auch nicht gesehen. Der aller erste Grandprix, den ich nicht gesehen habe, nicht einmal die Punkteverteilung. Das Finnland so schlecht abgeschnitten hat, hat mich enttäuscht, aber die zyprische Gruppe hatte das Halbfinale ja auch nicht überstanden, obwohl ich die Musik gar nicht schlecht fand. Doch ich habe einfach einen anderen Musikgeschmack als die Mehrheit der Welt. Das fängt bei Klassik an und hört bei Grunge auf.
Ich habe diese dämlichen Fragen des Zensus-Fragebogens endlich erhalten. Silvia Smallip hat es doch tatsächlich irgendwie hinbekommen, mir die Fragen in den Briefkasten zu stecken. Aber als ich an dem Tag nach Hause kam, wurde ich von meiner Nachbarin aufgehalten. Die erzählte mir, dass zu der angegeben Zeit jemand wie wild die Klingel unten benutzt hätte, um eingelassen zu werden. Dann sei sie an meiner Tür gewesen, hätte wohl geklingelt und schliesslich geklopft. Meine Nachbarin wurde dadurch aufmerksam, denn besagte Silvia Smallip soll auch irgendwelche wusten Behauptungen aufgestellt haben. À la, dass ich als Verweigerer weitergegeben werden würde und sonst noch so was. Das wurde dann meiner Nachbarin zuviel und sie machte ihre Tür auf, um die „werte Dame“ zu fragen, was sie eigentlich von mir wolle. Ausweisen konnte sie sich dann wohl gerade noch und fragte dann, ob meine Nachbarin mich heute das Haus hätte verlassen sehen. Meine Nachbarin, die wohl fürchtete, dass diese Person noch einmal wiederkommen könnte, wenn sie die Frage bejahte, gab als Antwort, dass ich seit über einer Woche verreist sei und auch erst nächste Woche wiederkommen würde. Es würde aber ab und an mal jemand nach dem Rechten sehen, so dass Silvia Smallip die Fragebögen in den Briefkasten werfen könnte. Ich würde das schon noch rechtzeitig beantworten. Die „werte Dame“ schien nicht gerade erfreut zu sein, aber ziemlich zerknirscht habe sie dann die Fragebögen in den Briefkasten geworfen, wo ich sie auch schliesslich fand. Ich bin meiner Nachbarin wirklich dankbar, vor allem, dass sie so schnell geschaltet hat. Vielleicht hat sie aber auch schon von irgendwelchen schwarzen Schafen unter den Fragestellern gehört. Einige wird es darunter sicherlich geben, die es auf die Kohle abgesehen haben, schliesslich gibt es für jeden persönlich ausgefüllten Fragebogen zwischen 5 bis 12 Euro und für einen abgegebenen nur magere zwei Euro. Was will man also? Genau, möglichst viel Geld abstauben.
Als ich diesen Fragebogen erst einmal trocken ausgefüllt habe, habe ich mich wirklich nur gefragt, was das eigentlich soll? Hätte da nicht einfach gereicht: Adresse, Alter und Beruf? Nein, dann wollten sie noch wissen, welchen Schulabschluss man hat, ob man studiert und welchen Beruf man genau ausübt. Bei der letzten Frage hatte ich ein kleines Problem, denn ich wusste nicht, in welches Feld ich das zuordnen sollte. Also habe ich erst einmal irgendwas angekreuzt. Mir völlig egal, ob das falsch ist, ich wusste es nicht besser. Da haben mir die Erklärungen auch nicht viel weiter geholfen. Oder diese Frage, ob man selbst oder die eigenen Eltern später als 1955 zugezogen sind. Konnte ich auch nicht wirklich beantworten. Ausserdem finde ich diese Frage unglaublich blödsinnig, denn es geht den Staat nichts an, ob man ein Migrant oder ein Zugezogener ist. Man arbeitet hier in Deutschland und zahlt seine Steuern, das sollte doch wohl reichen. Ausserdem wird es bei einem selbst ja wohl in den Melderegistern ersichtlich, ob man in Deutschland geboren wurde, oder nicht. Ich bin es nicht, aber dennoch Deutscher, auch wenn ich meine halbe Kindheit auch nicht in Deutschland zugebracht habe. Bin ich deshalb auch ein Zugezogener? Also genau so widersinnig, wie die Frage, welche Religion man habe. Diese Frage ist nie gefordert worden von der EU, sondern von den Kirchen. Und als Dank habe ich mich als Buddhist ausgegeben. Es gibt Fragen, die ich nicht wahrheitsgemäss beantworte, weil meine religiöse Überzeugung niemanden etwas angeht. Das mache ich allein mit mir selbst aus. Und dann noch die Frage, welchen Familienstand man habe. Das wird auch aus den Melderegistern ersichtlich.
Die meisten dieser Fragen sind einfach nur gestellt worden, damit die Bundesrepublik Deutschland besser bescheid weiss. Aber was nützt es, wenn dies nur bei einem geringen Prozentsatz gefragt wird? Dann ist es doch nicht auf alle Deutschen rückschlüssig. Oder nennen wir es eine der ‚repräsentativen‘ Umfragen, wo tausend Leute befragt werden und das dann stellvertretend für die Masse wirken soll? Entweder alle oder gar keine, ist meine Antwort dazu. Und zur Religionsfrage sage ich nur, wie ein Staat sich von den Kirchen bequatschen lassen kann, um solch eine Frage aufzunehmen. Jeder soll nach seiner eigenen Facon glücklich werden. Und da geht keine einzige Kirche das an, welchem Glauben ich angehöre. Und diese Frage muss beantwortet werden, ob katholisch oder evangelisch oder eben islamisch oder sonst was. Das geht die Kirchen nichts an. Ausserdem kann ich ja schon längst in der Zwischenzeit ausgetreten sein. Habe ja bereits erläutert, warum ich es nicht tue. Aber wann war ich das letzte Mal in einer Kirche oder in einem Gottesdienst? An Jesus glaube ich auch nicht, also dass er Gottes Sohn sei. Daran glauben nach einer Umfrage übrigens nur ein Drittel der gläubigen Christen. Jesus mag gelebt haben, aber Gottes Sohn war er definitiv nicht.
Und damit zurück zum Zensus. Es besteht eine Wahrheitspflicht. Aber ist Wahrheit nicht das, was ich als Wahrheit ansehe? Also werde ich meine Wahrheit auch ankreuzen. Und da bin ich nun einmal nicht mehr Christ und lebe mit Regina neuerdings in einer WG. Sollen die mir nur kommen. Habe ich mich eben Online verklickt.
So was ist einer Kollegin von mir übrigens bei der Vorbefragung zur Gebäudebefragung passiert. Sie hat online vergessen anzuklicken, dass sie Gebäudeinhaberin ist, aber die restlichen Fragen, die man zu beantworten hatte, hätte sie beantwortet. Doch Post hat sie nicht bekommen. Nur ihr Mann. Und so fragt sie sich nun, ob sie nun Ärger bekommen könnte und als Verweigerin gilt. Aber gleichzeitig versuchen wir sie zu beruhigen, dass eventuell nur eine der Personen von Hausbesitzern ein Schreiben bekommt, weil ja zweimal das gleiche beantwortet würde. Beruhigt ist sie nicht wirklich, aber es hat sich auch niemand gemeldet, dass es unvollständig sei. Vor allem hat sie es auch erst jetzt gemerkt, als sie noch auf ihr Schreiben wartete und nichts kam. Da hat sie noch einmal ihren Bestätigungsfragebogen angeguckt, den sie gespeichert hatte und entdeckt, dass sie die Frage, ob sie Gebäudeeigentümerin sei, unbeantwortet gelassen hatte.

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4 Kommentare

Verfasst von - 16. Mai 2011 in Blog, Fußball, Kultur, Musik, Real life

 

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4 Antworten zu “Zensus 2011 – Was sollen die ganzen Fragen?

  1. Chun Li

    24. Mai 2011 at 16:19

    Der Zensus – kam bei uns doppelt an – und wird die Statistik nun total verfälschen Oo. Lieber doppelt ausfüllen, als Strafe zahlen. Ich glaube diesem Papierkram sowieso nicht. Das ist der reinste Fake!

    In jede Umfrage und so ein Zeug bau ich mittlerweile Ostereier ein, damit ich mich nicht einestages gruseln muss. Hast du diesen SciFi-Film gesehen mit Leonardo DiCaprio? Wo sie in irgendwessen Träume eindringen – und die Realität nur an einem kleinen Pendel erkennen – toller Film. Mein Pendel sind die Ostereier (oder Eastereggs, wie man sie in Games nennt).

     
  2. Spasco

    25. Mai 2011 at 14:42

    Bei meinen Eltern kam am Ende auch nur ein Schreiben an. Habe nachgelesen, dass man bei dem zweiten Fragebogen auf den ersten verweisen soll und dann ist gut.

    Der Filmtitel fällt mir gerade nicht ein und gesehen habe ich ihn auch nciht, aber die Handlung fand ich auch ziemlich erschreckend. Denn was jetzt noch Fiktion ist, kann morgen bereits Realität sein. – Wieso fällt mir dabei nur gerade die Serie „Raumpatrouille“ ein? Gut, Zufall, da kommt ein ähnlicher Satz vor.

    Umfragen beantworte ich überhaupt nicht, weil sie am Ende immer privat werden. Und mein Privatleben ist nicht umsonst privat. Das geht nur mich was an. Aber vielleicht sollte man sich mal eine fiktive Biografie zusammenbauen. Wäre mal eine Idee wert sie weiterzuverfolgen.

     
  3. Chun Li

    26. Mai 2011 at 16:48

    Inception! So heißt der Film. Ein wirklich toller mit „Matrix“-Elementen (der Traum im Traum des Traumes…). Ist glaub ich von letztem Jahr, fand ich total klasse.

    Ja, eine fiktive Biographie, die man immer fehlerfrei wiedergeben kann, das wärs. Die reicht sogar für Guantanamo.

     
    • Spasco

      28. Mai 2011 at 14:03

      Richtig, so hiess der Film. Habe von dem Film mal im Zusammenhang mit einem Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Da ging das um Gedankenlesen oder ähnliches. Jedenfalls dachte ich damals nur: „Diesen Film musst du dir mal ansehen.“ Aber wie es so ist, habe ich ihn sofort danach wieder vergessen. Mal sehen, ob ich ihn demnächst auf DVD oder BluRay bekomme. Ich glaube, bei BluRay werde ich eine grössere Chance haben, schliesslich hat noch nicht jeder ein Laufwerk oder einen Abspieler zuhause (verzichte jetzt mal bewusst auf die Bezeichnung ‚player‘).

       

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