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Ein Rücktritt folgt selten allein

14 Dez

Am Wochenende wurde in Russland demonstriert, wegen der Wahl die die Woche zuvor stattgefunden hatte. Denn wieder einmal ist da nicht wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen. Haben wir denn auch anderes erwartet? Nein, nicht wirklich, denn das da geschummelt wird, ist doch wirklich gang und gäbe. Zwar wunderte man sich, dass Putins Partei „nur“ auf etwa 48 Prozent kam, dennoch reichte es.
Nun haben die Menschen sich aber damit nicht zufrieden gegeben, sondern gegen das Wahlergebnis demonstriert. Medwedjew will das Ergebnis prüfen lassen. Was da wohl rauskommt? Es ist nicht geschummelt und manipuliert worden. Ja klar, wer glaubt das denn?  Und so wird fleissig demonstriert, auch wenn es sicherlich nichts bringen wird. Dennoch wundert es mich, dass es überhaupt getan wird. Soll ja bis spät in die Nacht gegangen sein. Am nächsten Tag sah man alte Menschen demonstrieren, die ja noch die Sowjetunion ganz bewusst mitgemacht haben. Das wunderte mich dann doch sehr, dass die demonstriert haben. Denn die mussten ja diesen Kadavergehorsam in der Sowjetunion mitmachen und durften nur hinter vorgehaltener Hand Widerworte geben. Dann gab es noch eine Gegendemo. Will nicht wissen, was die bekommen haben, damit die sich da hinstellen und für Putin und seine Partei demonstrieren. Aber mit Geld kann man bekanntlich alles kaufen.
Aber dennoch finde ich es immer noch überraschend, dass in Russland demonstriert wird. Kommt da nun auch noch eine Revolution? So was wie anno 1917 gewiss nicht, aber mal abwarten, wie sich da nun entwickeln wird. Schauen wir mal, wie es immer so schön heisst.

Heute habe ich doch wirklich eine wunderbare Nachricht vernommen, die mir einen Freudenschrei entlockt hat. Meine Kollegen sahen mich nur verwirrt an, denn das kennen sie von mir überhaupt nicht. Warum ich mich so gefreut habe? Christian Lindner von der FDP ist zurückgetreten. Bis vor wenigen Wochen kannte ich diesen Menschen überhaupt nicht. Im Gedächtnis geblieben – negativ wohlgemerkt – ist mir mir nur wegen dieses Interviews am Sonntag. Er wurde von Deppendorf interviewt. Dabei beantwortete er nicht wirklich die Fragen, sondern versuchte vielmehr Deppendorf zu provozieren, was der überging. Denn ein guter Journalist lässt sich nicht provozieren. Das hat mir Linder ins Gedächtnis gebracht als absolut unsympathische Type, weshalb ich mich heute auch so freute über seinen Rücktritt.
Ein anderer Rücktritt, über den ich wahnsinnig freuen würde, wäre der von Bundespräsident Wulff. Ich war schon gegen ihn, als er zur Wahl vorgeschlagen wurde. Merkel wollte einen lästigen Konkurrenten loswerden, weshalb er Bundespräsident werden sollte. Das ist ihr gelungen, denn wie bekannt, wurde er gewählt.
Aber nun könnte es sein, dass er zurücktreten muss. Denn er hat, wie bekannt wurde, einen Privatkredit für ein Haus angenommen, als er noch Regierungschef in Niedersachsen war. Damals ist er sogar danach gefragt worden. Allerdings, ob er etwas mit dem Unternehmer zu tun hätte. Das verneinte er, was auch stimmte, denn der Kredit stammte von dessen Ehefrau. Also nicht wirklich gelogen, aber auch nicht ganz wahr. Irgendwas so dazwischen. Mich wundert, dass der Kredit nicht von Wulffs anderem besten Freund stammt. Das hatte ich erst gedacht, aber dem war nicht so. Na ja, dennoch bin ich dafür, dass Wulff darüber Rechenschaft ablegt und dann endlich zurücktritt. Das werden andere auch denken, nicht nur ich. Für mich ist er nun mal ein Schleimi und solche Leute konnte ich noch nie ausstehen. Versteht das jemand? Na, ich hoffe doch.

Und wieder einmal ein geschichtlicher Exkurs. Momentan habe ich es wohl damit, wie es mir scheint. Jedenfalls wurde vor hundert Jahren der Südpol erreicht. Roald Amundsen, ein Norweger und ziemler Eigenbrötler, war es, der diese Meisterleistung geschafft hat. Sein Konkurrent, Robert Falcon Scott scheiterte und bezahlte dies mit seinem Leben. Dennoch wurde ihm damals mehr Aufmerksamkeit zuteil als Amundsen, was den Norweger ziemlich ärgerte. Scott starb auf dem Rückweg, in einiger Entfernung zu einem Nachschubdepot. Er hatte Tagebuch geführt, so dass noch heute jeder sich vor Augen führen kann, was für einen verzweifelten und aussichtslosen Kampf Scott und sein Team führten. Am Ende blieb nur noch der Tod. Vielleicht war es für Scott besser so, aber das kann man nur vermuten und nicht wissen. Er hatte buchstäblich aufs falsche Pferd gesetzt, indem er modernen Schneemaschinen und Ponys vertraute. Ernest Shackleton war so ziemlich weit vorangekommen, so dass es eigentlich kaum einen Zweifel gab, damit scheitern zu können. Amundsen hingegen vertraute auf Schlittenhunde. Diese wurden dann nach und nach verfüttert, was von Anfang an eingeplant war, aber Kritik hervorbrachte.
Amundsen hatte eigentlich den Nordpol als erster Mensch erreichen wollen, doch da kam ihm Robert Peary zuvor. Also der Südpol, den er nur als Ersatz sah. Dass er ihn dann auch wirklich als erster Mensch erreichte, mochte ihn zwar freuen, aber es war eben nur der Südpol. Beim Nordpol stellt sich ja bis heute die Frage, ob Peary wirtklich der erste Mensch war und nicht Frederick Cook und ob er von den Koordinanten her wirklich nah dran war. Alles komplizierte Fragen, die wir nicht zu lösen vermögen.
Amundsen verschwand 1928 bei einer Rettungsaktion in der Arktis. Ein Ende, das ihm recht gewesen sein dürfte.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 14. Dezember 2011 in Blog, Kultur, Real life

 

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Eine Antwort zu “Ein Rücktritt folgt selten allein

  1. Karim

    7. Januar 2012 at 00:16

    Ich bin eben zufaellig auf die Seite gekommen. Gefaellt mir sehr.

     

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