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Verschwörung gegen Merkel? – Annette Schavan wurde ihr Doktortitel aberkannt

06 Feb

Gestern kam auf der ARD die Eilmeldung, dass die Universität Düsseldorf Annette Schavan den Doktortitel aberkannt hat.
Heute dann die Nachricht, dass Schavan gegen die Entscheidung klagt.
Ist das nun richtig oder nicht? Das ist die frage aller Fragen, die man sich stellen muss.
Erstens, hat die Universität Düsseldorf mit ihrer Entscheidung richtig gehandelt und zweitens, ist eine Klage gegen die Entscheidung gerechtfertigt?
Dazu muss man einmal wissen, dass die Doktorarbeit von 1980 ist, also schon mehr als dreissig Jahre her. Im letzten Jahr waren es zweiunddreissig Jahre, als sich ein Anonymus meldete, der auf die strittigen Passagen in Schavans Doktorarbeit aufmerksam machte. Die Uni Düsseldorf wurde also tätig, also ein Untersuchungsausschuss. Und gestern kam nun die Entscheidung: Dem Plagiatsvorwurf wird stattgegeben und Annette Schavan der Doktortitel entzogen.
Wenn man sich die strittigen Stellen ansieht, dann wird deutlich, dass den Zitierregeln nicht gefolgt wird. Zwar werden die Stellen gekennzeichnet, aber dennoch wird nicht sehr deutlich, woraus denn nun eigentlich zitiert wird. Gröbere Flüchtigkeitsfehler könnte man so etwas nennen. Seltsam aber ist doch vielmehr, dass den damaligen Prüfern das nicht aufgefallen ist. Wieso findet es erst im letzten Jahr ein Anonymus, der anscheinend unbedingt etwas finden wollte? Und warum wird Schavan im Grunde genommen härter bestraft für eine Promotion, die mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt, als jemand, der sie in den letzten fünf Jahren geschrieben hat?
Man kommt einfach nicht drumherum, als den Gedanken zu hegen, dass an Annette Schavan ein Exempel statuiert werden soll. Denn die Promotion unterliegt dem nordrhein-westfälischen Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG NRW). Und dies beinhaltet die Klausel, dass solche Fehler nach dreissig Jahren als verjährt angesehen werden. Nur bei einem erheblich schweren Grund kann die Laufzeit verlängert oder sogar wieder aufgenommen werden. Ich erinnere noch einmal: Die Promotion wurde 1980 eingereicht, im letzten Jahr wurde auf die Zitierfehler aufmerksam gemacht. Dazwischen liegen 32 Jahre, also zwei Jahre nach Ablauf der Verjährungsfrist.
Und wie gesagt, die kritischen Stellen in der Promotion sind erheblicher als Flüchtigkeitsfehler, aber eine bewusste Täuschung liegt hier nicht vor. Den Fall Schavan mit dem Fall Guttenberg zu vergleichen liegt auf der Hand, da Guttenberg damals auch einen Ministerposten innehatte, also im politischen Scheinwerferlicht stand. Beide Doktorarbeiten über einen Kamm zu scheren ist falsch und ist nicht gerechtfertigt. Wobei man sich bei Guttenbergs Doktorarbeit auch fragen muss, warum die Prüfer nichts gesehen haben. Denn da war es eindeutig.
Schavan mag am Ende gegen die Zeit gearbeitet haben und wollte ihre Doktorarbeit schnellstmöglich beenden. Dass man da schludert und nicht mehr den normal geltenden Regeln folgt, ist klar. Dann von einem bewussten Täuschungsversuch zu sprechen, ist übertrieben und die Entscheidung der Universität Düsseldorf überzogen.
Die Promotion ist dreissig Jahre her, da sollte man auf irgendwelche Diskussionen bezüglich Plagiatsvorwürfen absehen.
Konrad Adenauer hat man das Abitur auch nicht aberkannt, obwohl er in seinen Erinnerungen zugegeben hat, dass ihm die Aufgaben bekannt gewesen waren. Damit hat er letztendlich auch betrogen. Aber es wurde nichts getan.
Heute gibt es beim Abitur eine Frist von fünf oder zehn Jahren, wo man sein Abitur wieder verlieren kann, wenn bekannt wird, dass man betrogen hat.
Solch eine Frist sollte es bei Promotionen und Habilitationen ebenfalls geben, dann aber eine dreissigjährige Frist. Und egal was danach kommt, kann der Titel nicht mehr aberkannt werden. Denn wozu sind zwei Prüfer da, wenn nicht nach falsch zitierten Dingen oder mutwilligen Übernahmen aus Werken zu suchen? Natürlich müssen sie auch den Inhalt der Arbeit bewerten, gar keine Frage. Dabei dürfen sie ersteres aber nicht aussen vor lassen. Sonst wird es immer wieder zu solchen Aktionen kommen.
Und wieso hat eigentlich noch niemand die Promotion von Angela Merkel unter die Lupe genommen? Nicht dass ich darauf erpicht bin, zu erfahren, was da drin steht. Aber interessant ist es doch, dass die bisher nicht in der Öffentlichkeit steht. So wird man das Gefühl nicht los, das da eine Verschwörung gegen Merkel im Gange ist.
Ach ja, es stellt sich noch die Frage, ob Annette Schavan von ihrem Posten als Bundesbildungsministerin zurücktreten soll oder nicht. Meiner Meinung nach sollte sie zurücktreten, wenn ihre Klage erfolglos bleibt, ansonsten kann sie bleiben. Ein aberkannter Doktortitel ist nicht die Welt, da Schavan im Gegensatz zu Guttenberg nur allzu schludrig gearbeitet hat. Das ist der einzige Vorwurf, den man ihr machen kann.

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4 Kommentare

Verfasst von - 6. Februar 2013 in Blog, Kultur, Real life, Technik, Wetter, Winter

 

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4 Antworten zu “Verschwörung gegen Merkel? – Annette Schavan wurde ihr Doktortitel aberkannt

  1. alphachamber

    6. Februar 2013 at 15:11

    Hallo!
    Es ist wuerdelos, dass man in unserer Demokratie inkompetente Politiker erst los wird, wenn sie Teppiche schmuggeln, Frauen an die Hintern grabschen, oder sich akademische Titel erschleichen. Das scheint mir das eigentliche Problem.
    Gruesse, alphachamber
    [http://www.liberalerfaschismus.wordpress.com]

     
  2. Eva

    7. Februar 2013 at 18:10

    In jeder Arbeit, die man für die Universität schreibt muss man hundert prozentig auf Quellen achten. Das mag vielleicht nicht vor dreissig Jahren so gewesen sein, allerdings ist das heute so. Und man kann nicht direkt sagen, ob ein Beschiss absichtlich gewesen ist oder nicht, Ich finde es nur gut und recht, dass Gutenberg seinen Doktor (und seinen Posten) verloren hat. Da er geschummelt und abgeschrieben hat war das mehr als nur Recht.
    Aber bei Schavan sieht das anders aus? Ich weiss nicht so recht. Selbst wenn sie Flüchtigkeitsfehler in ihrer Arbeit hat, es ist immer noch eine Doktorarbeit. Und da hat man einfach keine Flüchtigkeitsfehler zu machen, sondern man muss dort eben noch genauer sein als bei der Bachelor-Arbeit oder Master-Arbeit.
    Da mag ihr vielleicht die Verjährungsfrist zu gute kommen. Das ist nicht fair, dass man ihr nach der Verjährungsfrist den Doktortitel aberkennt. Das gebe ich zu. Aber dann müsse wenigstens auch die Stellen offen sein, bei denen sie etwas – viel geschummelt hat.

     
    • Spasco

      9. Februar 2013 at 15:25

      Sicherlich sollte man bei einer wissenschaftlichen Arbeit auf die Quellen achten, vor allem bei einer Doktorarbeit. Da wir aber nur alle Menschen sind, kommt es leider doch mal zu Fehlern. Auch wenn man sie gegenlesen lässt, werden dort meist nur Rechtsschreib-, Syntax- oder Grammatikfehler bemerkt. Wer hat denn schon jemanden, der die Quellen genau überprüft, bevor man die eigene Arbeit abgibt?
      Eine so grosse Häufung wie in Schavans Doktorarbeit ist schon mehr, als man dulden kann. Dennoch bin ich immer noch der Meinung, dass Schavans Prüfer damals einen Blick auf die Quellen hätten werfen sollen, denn es geht nicht nur um den Inhalt, auch wenn der natürlich am Wichtigsten ist. Das war vor dreissig Jahren so wie heute. Zitiert wird seit hundert Jahren auch nicht anders. Wobei natürlich von Fachrichtung zu Fachrichtung anders zitiert wird, am Ende steht da allerdings eine verständliche Literaturangabe.
      Wir werden sehen, wie nun entschieden werden wird. Und dann wird das Thema schnell vergessen sein – bis zum nächsten Plagiatsfall.

       
      • Eva

        9. Februar 2013 at 18:04

        Da hast du natürlich recht, dass das Thema schnell vergessen sein wird.
        Allerdings finde ich nicht, dass man die Quellen beim Abgeben nicht hundert prozentig durchschaut. Vielleicht war das früher so, aber jetzt ist es schon Abzug, wenn die Quellen nicht nach Standard zitiert werden. Und es kann bis zur Rückgabe oder Vollständiges Plagiat kommen, wenn die Quellen nicht ordentlich sind. Das kann allerdings auch mit der Zeit strenger geworden sein.
        Rechtschreib-, Syntax oder Grammatikfehler sollten nicht viele drinnen sein. Da gebe ich zu, man überliest die selber. Aber bei einer Doktorarbeit, sollten auch diese nicht vorkommen.

         

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