RSS

In Ägypten ist der Teufel los

06 Jul

Ägyptens Präsident Mursi wurde vom Militär gestürzt, Ruhe ist im Land der Pharaonen dennoch nicht eingekehrt.
Einerseits sind die Muslimbrüder sauer, dass das Militär eingegriffen hat und ihren Präsidenten entmachtete. Andererseits betonen sie immer wieder, dass ein demokratisch gewählter Präsident gestürzt wurde.
Moment mal, habe ich mich da verhört? Demokratisch gewählt? Wie war das vor einem Jahr noch einmal? War nicht von Wahlbetrug die Rede? Ach ja, nicht Mursi hatte sich widerrechtlich Stimmen angeeignet, sondern die Kandidaten, die auf den Plätzen vier und fünf landeten. Ja, ja, richtig, das war der Wahlbetrug gewesen. Eine weisse Weste für Mursi, der völlig ohne Betrug gewählt wurde. Ja, ja, demokratisch halt.
Das einzige, was sich nicht leugnen lässt, es sind freie Wahlen gewesen. Daran gibt es nichts zu zweifeln. Allerdings sind selbst die freien Wahlen ein wenig genauer zu betrachten. Wieso sind nur Kandidaten aufgestellt worden, die die Mehrheit der Menschen, also der jungen Leute, nicht haben wollte? Die sind aus diesem Grund nicht zur Wahl gegangen und haben indirekt Mursi seinen Weg ins Präsidentenamt geebnet, denn wie ich bereits letzte Woche schrieb, stimmt man mit einer Enthaltung immer dem Ja zu, hier eben Mursi.
Er war der ungeliebte Präsident der jungen Menschen, aber er stand auch für eine neue Ära in Ägypten. Seit über sechzig Jahren war Ägypten vom Militär regiert worden. Also nicht direkt von diesem, aber der aktuelle Machthaber stammte daraus.
Mursi war demokratisch gewählt worden, doch was er dann tat, empörte die Menschen, denn er begann mit der schleichenden Islamisierung des Landes. Genau das, was sich die Mehrheit nicht erhofft hatte und auch gar nicht wollte. So begannen sie aufzubegehren bis es in den letzten Wochen zu den Demonstrationen ausartete, wie es sie bereits im Februar 2011 gegeben hatte.
Mursi wollte nicht klein beigeben, seine Anhänger, vor allem die Muslimbrüder, unterstützten und unterstützen ihn. Schlägertrupps zogen durch die Gegend und sorgten für Gewalt und Terror. Offiziell seien es bezahlte Trupps vom Mubarak-Regime gewesen, so Mursi. Wissen wir das?
Die Situation begann sich zu verschärfen, ein winziger Funke hätte genügt, um einen Brandherd zu entfachen. Da sagte sich das Militär: Jetzt ist genug, entweder Mursi tritt innerhalb von 48 Stunden zurück oder er wird entmachtet. Genau genommen ein Staatsstreich, denn das Militär ist nicht demokratisch gewählt. Mursi liess das Ultimatum verstreichen, er wurde vom Militär abgesetzt. So weit, so gut.
Die Menschen freuen sich darüber. Scheinbar ist ihnen gar nicht bewusst, was diese Aktion eigentlich bedeutet. Schliesslich zeigt es, dass das Militär immer noch die heimliche Macht im Staat ist. Wie kann es sonst sein, dass so ein Putsch erfolgreich ist?
Besorgt äussern sich die Länder dieser Welt über das Geschehen in Ägypten.
Ehrlich gesagt, kritisiere ich das vorgehen des Militärs nicht. Sie haben eingegriffen, bevor schlimmeres passiert. Die Menschen wollten Mursi weghaben, aber der klebte an seinem Stuhl, wie es Mubarak tat. Mursi wurde unblutig aus dem Amt gehoben. Ausserdem hat das Militär zügig dafür gesorgt, dass ein Übergangspräsident gewählt wird. Sie haben betont, dass sie nicht die Macht wollen.
Ich bin jetzt mal so naiv und glaube deren Äusserungen. Deshalb kritisiere ich nichts und sage, dass sie versucht haben Schlimmeres zu verhindern.
Die Mursi-Gegner feierten. Ständig feuerten sie Feuerwerkskörper in den nachtschwarzen Himmel. Doch die Muslimbruderschaft will es nicht kampflos hinnehmen. Es gab weitere Demonstrationen und Zusammenstösse zwischen Mursi-Gegnern und -Anhängern. Nun stieg die Zahl der Toten rasant um das zehnfache. Und es wird einfach nicht besser.
Inzwischen hat sich eine Islamisten-Gruppe gebildet, die in Ägypten die Sharia einführen will, also die Bestrafung gemäss des Korans. Mursi hatte dafür bereits den Weg geebnet, indem er den Richtern erlaubte, die Sharia zur Urteilsfindung verwenden zu durfen. Das ist genau das, was Mubarak immer zu verhindern gewusst hat. Unter ihm war nicht alles gut, aber es gab Gleichberechtigung, alle Religionen waren gleich viel wert. Genau das ist nicht mehr gegeben. Und ich befürchte, dass es eine lange Zeit brauchen wird, bis endlich wieder Ruhe und Frieden in Ägypten einkehren wird.
Das ist traurig für die Menschen, die nur ein freies Land haben wollten. Sie haben den Teufel mit dem Beezelbub ausgetrieben. So etwas passiert häufig. Aber gerade Ägypten hätte etwas anderes verdient. Das Land lebt von den Touristen, diese bleiben aus. Das Auswärtige Amt hat inzwischen herausgegeben, dass man nun ganz Ägypten meiden soll, nicht nur Kairo und Alexandria.
Es ist schade, dass im Land am Nil kein Frieden einkehrt. Wir können nur hilflos zusehen, wie dort alles immer schlimmer wird und ein Bürgerkrieg immer näherrückt. Werden wir eines Tages das Erbe der alten Ägypter noch einmal betrachten können? Ja, ich gebe diese Hoffnung nicht auf. Irgendwann will ich mir die Tempel noch einmal ansehen.

Der Abhörskandal nimmt langsam ungeahnte Ausmasse an. Denn nun scheinen nicht nur die NSA und der britische Geheimdienst die Abhörwanzen Nummer eins zu sein, sondern auch der französische Geheimdienst. Besonders komisch, denn Frankreich zeigte sich ebenfalls höchst erbost über die Abhörmethoden der NSA. Dabei hat man selbst Dreck am Stecken. Aber wie es bekanntlich so heisst, man fühlt lieber im Abfall der anderen, als selbst in der eigenen Ecke zu kehren.
Innenminister Friedrich machte sogleich deutlich, dass der deutsche Geheimdienst nicht die USA abhören würde. Schön, haben wir eine andere Antwort erwartet?
Zugleich will die CDU/CSU nichts mehr von der Vorratsdatenspeicherung wissen. Einst das Lieblingsprojekt der Schwesterparteien, ist es nun zum ungeliebten Stiefkind geworden. Besonders Horst Seehofer tut sich hierbei hervor. Irgendwie muss er sich ja bei seinen bayerischen Wählern einschmeicheln, will er eine Woche vor der Bundestagswahl im September das Ministerpräsidentenamt behalten. Und das Merkel sowieso Wählerstimmen (nicht Wühlerstimmen) sucht, ist ebenfalls nichts Neues. In den letzten drei Monaten vor der Wahl fangen die Parteien an, einem das Blaue vom Himmel zu versprechen. Die Grünen wollen 500.000 neue Jobs schaffen. Wie schön, dann bin ich mal gespannt, wie sie das machen wollen, auch wenn sie das bereits grob anschneiden. Vor allem im Bereich der neuen Energien sollen diese Stellen zu finden sein. Falls sie also gewählt werden, haben sie vier Jahre Zeit, diese Vorgabe zu erfüllen. Die Grünen sind so optimistisch, dass sie glauben, diese Zahl noch zu überschreiten.
Welche Partei war eigentlich noch für ein monatliches Grundeinkommen? Muss sofort gewählt werden, denn dann kann ich zuhause faul auf dem Sofa liegen, mir dämliche Reality-Soaps ansehen und kriege dennoch was. Warum also noch arbeiten? Wäre doch völlig unnütz, denn ich kriege doch Geld.

Und wer so gar nicht weiss, was er im Sommer lesen soll. Einfach mal auf meine Seite Lesenswert klicken. Dort gibt es ein paar Lesetipps.

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: