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Das Buch des Jahres


Gleich vorweg: Dies wird kein Bericht über das Buch „Das Ungeheuer“ von Terėzia Mora. Es wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2013 geadelt, aber ich persönlich will ein anderes Buch vorstellen.
Es handelt sich um einen Thriller, der ohnehin keine Chance auf den Deutschen Buch preis hätte. Und das nicht, weil es schlecht geschrieben ist, sondern weil es eben ein Thriller ist.
Für mich ist aber ebenjeines Buch das Buch des Jahres 2013.
Warum das so ist? Es ist klug geschrieben, die Handlung ist leicht zu verstehen und vor allem muss ich mich nicht andauernd über die Hilflosigket der Hauptperson aufregen. Sie rennt nicht sehenden Auges in ihr Unglück, versucht zu kämpfen und gibt nicht auf. Viele Bücher, die in den den bisherigen Jahren gelsen habe, wiesen leider Einige dieser Mängel auf. Zuletzt war dies „Die verlorene Bibliothek“ von A.M.Dean. Man kann nicht immer alles haben, aber dieses Buch, von dm ich schon die ganze Zeit rede, kommt meinen Vorgaben schon sehr nahe.
Natürlich ist es auch nicht perfekt, aber welcher Roman ist das schon? Bis jetzt habe ich noch keinen gefunden, wo ich sage, dass es dieser ist und fertig.
Warum habe ich mich dann für dieses Thriller als mein Buch des Jahres entschieden?
Gute Frage, die ich weiter oben schon ein wenig beantwortet habe. Vor allem liegt es auch an der Handlung. Die eine spielt in der Gegenwart, die andere hundert Jahre zuvor. Besonders letztgenannte hat mich in ihren Bann gerissen, was an den Figuren und der besonderen Beziehung zwischen Elefant und seinem Tierpfleger liegt.
Einige werden jetzt vielleicht erraten haben, welches Buch ich meine. Es handelt sich um den Thriller “ Die Rollen des Seth“ von Helen Dalibor.
Ein wirklich schönes Buch. Exzellent recherchiert, nicht langweilig, keine abstruse Handlung. Geschickt werden Gegenwart und Vergangenheit miteinander kombiniert. Das eine nimmt dem anderen nichts weg. Nichts wird vor weggenommen und wiederholt sich so in einer der Handlungen. Die Theorien über das Leben von Hatschepsut und Senenmut und ebenfalls über Echnaton und Nofretete mögen eine von vielen sein, aber sie sind in sich abgeschlossen und klingen völlig logisch, je länger darüber geredet wird.
Im Anhang wird noch einmal ausführlich auf das Semenchkare-Problem eingegangen, genauso auf die Theorie, dass Echnaton einen Zwillingsbruder gehabt haben könnte.
Zugleich ist der Thriller auch eine Familiengeschichte, denn die Hauptperson Isis Just ist auf der Suche nach ihren Vorfahren, dabei kommt sie hinter ein streng gehütetes Familiengeheimnis.
Durch Zufall gelangt sie an einen Krug, der vor knapp hundert Jahren im Eismeer des Tierpark Hagenbeck vertseckt wurde. Erst durch de Abriss des Gehegekomplexes kommt er wider ans Licht.
Und sogleich sind die Verfolger von damals wieder hinter dem Tonkrug her, denn er enthält ein Geheimnis, das nie ans Licht kommen darf. Die Hüter des wahren Horus ziehen einige blutige Spur hinter sich her und kommen Isis Just immer näher.
In der Handlung, die in der Vergangenheit spielt, erfährt der Leser, wie der Krug nach Deutschland kommt und wie er letztendlich im Eismeer landet. Dabei erfährt man einiges über den Stellinger Tierpark im Jahre 1912 und das beim Dreh eines Stummfilms, ein Bär erschossen wurde. – Dies ist wirklich geschehen und nicht ausgedacht.
Die Figuren könnten vielleicht noch ein wenig ausgeprägter gezeichnet werden, nichtsdestotrotz bleiben sie einem nicht fremd. Man fühlt mit ihnen mit und lacht über die Eigenheiten von Elefantendame Bertha.
Dieser Elefant ist etwas Besonderes und das nicht nur, weil ihm als Vorbild unter anderem Elefantendame Mala diente. Geschickt wird das Rüsseltier in die Handlung eingewoben und so dargestellt, wie ein Elefant, der in einem Zoo lebt, agieren könnte. Ein wenig übertrieben ist vielleicht, dass Bertha sprechen kann, allerdings soll es in Südkorea tatsächlich einen Elefanten geben, der sprechen kann.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal in eine der vielen Leseproben im Internet reinzulesen und dann zu entscheiden, ob das Buch etwas für einen ist.
Noch ist es ein Geheimtipp und mit fünf Euro bei über fünfhundert Seiten ein wirkliches Schnäppchen.
Anfang Dezember soll es übrigens als Hardcover auf den Markt kommen. Wer bis dahin nicht warten will, holt sich eben das ebook.

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Zensus 2011 – Die Ergebnisse sind da


Erinnern wir uns noch an den 09. Mai 2011? Wer sich an den Tag nicht mehr erinnern kann, dem sei gesagt, dass ich auch nicht mehr weiss, was ich an dem Tag eigentlich gemacht habe. Allerdings interessiert das auch niemanden, denn dieser Tag war laut EU der vorgegebene Stichtag für den Zensus 2011.
Auch ich habe mich fleissig daran beteiligen müssen. Wobei ich die Konfessionszugehörigkeit ausliess. Es geht niemanden etwas an, woran ich glaube und wie ich glaube.
Im Grunde erinnere ich mich kaum noch an die Fragen, nur das ich sie höchst indiskret fand. Denn was geht jemanden an, was ich verdiene? Gut, das ist inzwischen auch schon überholt, dennoch finde ich, dass das niemanden etwas angeht. Auch nicht, wann ich denn nun nach Deutschland gekommen bin. Und so weiter und so weiter.
Die Frage nach der Wohnung lasse ich mir noch gefallen, auch wenn ich da wieder vermute, dass man nur danach gefragt hat, wo denn noch freie Wohnfläche zu haben ist. Denn in einigen Städten gibt es ja die Zwangseinmietungen, wenn man Leerstand in einer Wohnung hat. Dann bekommt man da völlig fremde Leute rein, die man anschliessend nicht wieder loswird oder noch schlimmer, es handelt sich um Mietnomaden. Kann man dann eigentlich die Stadt verklagen? Nun gut, gegen so genannte Mietnomaden kann man nun besser vorgehen.
Zurück zum Zensus 2011. Herauskam, dass in den neuen Bundesländern mehr Atheisten leben als in den alten. Oh, welch Wunder, wieso bloss ist das keine neue Nachricht? Das hängt noch mit alten DDR-Zeiten zusammen. Aber ist eigentlich gefragt worden, ob man in der Kirche ist? Erinnere mich leider nicht mehr, denn das ist zwei Jahre her, wo ich das beantwortet habe. Denn man kann auch nicht in der Kirche sein und an Gott glauben, genauso gut ist man in der Kirche und hat seit seiner Taufe nie wieder einen Gottesdienst besucht. Ausserdem ist dieser Punkt der einzige, der nicht wirklich repräsentativ ist. Schliesslich musste man diese Frage nicht beantworten. Das lag vor allem daran, dass sich viele über diese Frage aufgeregt hatten. Lag daran, weil die EU selbst diese Frage nicht vorgegeben hatte. Aber in Deutschland ist der Staat bekanntlich neugierig, vor allem wenn es das Gerücht gibt, es würden bald fünfzig Prozent Muslime hier leben.
Im Endergebnis waren es dann nur etwa sechs Prozent, wobei man hier vermutet, dass viele ihre Religionszugehörigkeit verschwiegen und die Frage nicht beantwortet haben. Ganz verständlich, denn irgendwie scheint man in Deutschland Nachteile zu haben, wenn man angibt Moslem zu sein. Wieso eigentlich? Man kann doch nicht alle Muslime über einen Kamm scheren.
Was kam noch heraus? Ach ja, in Deutschland leben etwa 1,5 Millionen (wird übrigens Mio abgekürzt und nicht Mill) Menschen weniger als angenommen. Was hat das nun zu bedeuten? Einmal, dass die Hochrechnungen von 1987 bis heute nicht zutreffen, man also recht geschönt hat. Zum anderen müssen nun die Geldzuweisungen an die einzelnen Bundesländer neu berechnet werden. Wenn es ganz schlimm geworden wäre, hätten auch noch die Wahlkreiszuordnungen neu berechnet werden müssen. Aber das ist nicht der Fall.
Einzig Schleswig-Holstein hat mehr Einwohner als gedacht. Ob man da auch die Kühe mitgezählt hat? Nun gut, blöder Witz, denn dann müsste Niedersachsen ja auch mehr Einwohner haben.
Wie bereits immer vermutet, hat das Bundesland Hamburg den höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Und ich rede hier nicht von Wilhelmsburg. Da muss man mal in einen anderen Stadtteil, da sollte man zuvor allerdings einen Russisch-Sprachkurs belegt haben.
Gefolgt wird Hamburg von Berlin, die aber schon vier Prozentpunkte weniger haben.
Alles soll angeblich noch nicht ausgewertet sein. Was folgt denn da noch? Man hat herausgefunden, dass 51 Prozent zur Miete wohnen, wie die ungefähre Wohngrösse ist. Man kennt die Schulabschlüsse, also was fehlt noch? Vielleicht Hobbies? Nun ja, das war nicht gefragt.
Was aber auch immer sein mag, ich halte solch einen Zensus für absolut überflüssig. Wenn ich mich allein noch an diesen penetranten Zensus-Befrager erinnere. Ich hatte dem mitgeteilt, das selbst zu beantworten, und dann belagert der meine Wohnung. Meine Nachbarin hatte mir davon erzählt, weil ich zu dem Zeitpunkt in der Redaktion war. Und das scheint kein Einzelfall gewesen zu sein. Denn die Befrager bekamen Geld pro Fragebogen. Also keiner war da nun ziemlich blöd. Selbst schuld, wenn die so was unbedingt machen wollten. Ich mag so was nicht. Aber da habe ich gerade eine wunderbare Romanidee.
Und der nächste Zensus kommt bestimmt – im Jahr 2021.

Währenddessen säuft halb Deutschland ab. Besonders schlimm ist es in Niedersachsen. Anstatt, dass endlich das Wasser abfliesst, wird es nur noch schlimmer. Das Wasser scheint einfach kein Ende zu nehmen. Der Mai war schon der nasseste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Aber sollte es nicht langsam genug sein?
Hiess es nicht immer, mit der globalen Erwärmung werde die Sonne scheinen ohne Ende und die Temperatur ansteigen? Davon ist nun wirklicht nichts zu sehen. Aber Globale Erwärmung heisst auch nicht das, was immer prophezeit wird. Dennoch ist es kein ungewöhnliches Wetterphänomen. Das Wetter wird besser werden, aber bis dahin kann noch allerhand passieren.

Heute Abend versucht der FC Bayern das Triple zu holen. Sie spielen im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart. Beide Mannschaften wollen gewinnen, aber nur eine wird es auch schaffen. Wer also wird es sein?
Elefantendame Mala hat sich bereits entschieden. Sie sagt, dass Bayern das Triple holen wird. Na, sie hat ja bereits in der letzten Woche bewiesen, dass ihr Torriecher immer noch perfekt ist.
Einerseits wünscht man den Bayern nach zwei verkorksten Jahren, dass sie das Triple machen, andererseits missgönnt man es ihnen, weil sie schon viel zu viel gewonnen haben. Ein Double ist doch auch schon, ausserdem winken noch drei Titel.
Morgen geht es mit Fussball gleich weiter. Dann spielt Deutschland gegen die USA. Gegen Belgien, die sich momentan auf einem Höhenflug befinden, haben die USA sang- und klanglos verloren. Wie sie nun gegen Deutschland spielen werden? Keine Ahnung, aber Deutschland dürfte gewinnen oder unentschieden spielen.

Zwei Abende, die mit Fussball vollgepackt sind. Das Fernsehprogramm ist dementsprechend – schlecht. Was also tun? Mal wieder einen Roman lesen. Was gibt es da denn nur? Ich empfehle den gut recherchierten Thriller “Die Rollen des Seth” von Helen Dalibor. Noch dazu ein ebook, sodass man nicht extra in den nächsten Buchladen rennen muss, um ein Exemplar zu ergattern.
In dem Thriller geht es um einen Krug mit geheimen Inhalt, der so brisant ist, dass er bereits mehreren Menschen das Leben gekostet hat. In den Besitz des Kruges ist die Ägyptologin Isis Just gekommen, die nebenbei auf der Suche nach ihren Vorfahren ist. Dabei entdeckt sie, dass der Krug von einem jungen Ägypter namens Masut nach Stellingen gebracht wurde. Im Stellinger Tierpark ist er in der Völkerschau “Am Nil” zu sehen. Er freundet sich mit einem Elefantentierpfleger an und einem Kaufmannsenkel. Gemeinsam versuchen sie gegen die Bruderschaft des Wahren Horus zu kämpfen, die in den Besitz des Kruges zu gelangen versucht.
Isis Just kommt hinter das Geheimnis, das ihre Familie seit Generationen überschattet. Doch die Bruderschaft ist ihr dicht auf den Fersen. Schliesslich gelingt es ihnen, die junge Ägyptologin zu entführen.
Wird Isis Just wie ihr Vorfahr Masut enden und wie gelangte eigentlich der Krug ins alte Eismeer, wo er beim Abriss desselbigen gefunden wird? Das muss jeder selbst lesen.
Das ebook kann bei folgenden Anbietern gekauft und heruntergeladen werden: Amazon, neobooks, Xinxii, buch.de, buecher.de, Thalia, ciando, apple ibookstore.
Und wer Elefantendame Mala mag, wird den Thriller “Die Rollen des Seth” mögen, denn sie kommt dort drin sogar zweimal vor. Einmal als Tausendschön, also als sie selbst, und dann noch als Bertha.
Und wer lieber Fantasy mag, dem sei diese Kurzgeschichte empfohlen: “Mit List und Tücke” von Henrik Quedburg.
Es geht um den Zauberer Aenroc, der seine Zauberkräfte verloren hat. Mit einem magischen Kristall kann er sie zurückerlangen und sich an seinen Feinden rächen, die ihn zuvor verbannt haben. Er sucht nach dem Volk der Zwerge, die diesen Kristall hüten. Auf dem Weg zu ihnen verliert er seine beiden letzten Gefährten und wird auch noch von einer furchtbaren Bestie verfolgt.
Das ebook kann bei folgenden Anbietern gekauft und heruntergeladen werden: Amazon, neobooks, Weltbild, Xinxii, buch.de, buecher.de, Thalia, ciando, apple ibookstore.
Wer es nicht so mit Fussball hat und auch das restliche Fernsehprogramm nichts zu bieten hat, der kann ein gutes Buch lesen, vielleicht ist ja bei meinen Tipps etwas dabei gewesen, was gefällt. Im Zuge der Dschungelnächte, die 30jähriges Jubiläum feiern, empfehle ich natürlich “Die Rollen des Seth”.

 

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Die Schöne ist gekommen – 100 Jahre Nofretete-Büste


Heute vor genau hundert Jahren, wurde in einem ägyptischen Dorf namens Tell el-Amarna aus dem Wüstensand eine Kalkbüste geborgen, die heute weltberühmt ist: der Kopf der Nofretete.
3.000 Jahre hatte sie umhüllt von schützendem, trockenen Sand auf ihre Entdeckung gewartet. Dann kam ein deutscher Ausgräberteam unter der Leitung von Ludwig Borchardt, finanziert von James Simon, einem Baumwollgrosshändler aus Berlin.
Fundstück Nr. 748 wurde gefunden und jedermann erlag sofort der Faszination der Pharaonengattin. In sein Grabungstagebuch schrieb Borchardt an de Tag: „Lebensgroße bemalte Büste der Königin, 47 cm hoch. Mit der oben gerade abgeschnittenen blauen Perücke [die Helmkrone], die auf halber Höhe noch ein umgelegtes Band hat. Farben wie eben aufgelegt, Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.“
Und wer sie nicht gesehen hat, der hat Ägypten nicht gesehen.
In der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis wurde die Nofretete-Büste gefunden und sie ist nicht die einzige der schönen Königin. Dennoch geht nur von ihr diese Faszination aus, denn dies ist die einzig ausgearbeitete Büste, die mit einer Kalkschicht überzogen wurde und damit plastischer wirkt als der Kopf, der im ägyptischen Museum in Kairo steht.
Vielleicht ist das auch ein Grund gewesen sein, warum der ehemalige Leiter der ägyptischen Antikenbehörde, Zahi Hawass, es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht haben schien, die Büste unentwegt in gewissen Abständen zurückzufordern. Dass der Möchtegern-Archäologe sich damit am Ende nur noch lächerlich in der deutschen Ägyptologenwelt machte, dürfte er übersehen haben, solange medienwirksam er in den Zeitungen erschien. Ich könnte mich jetzt nun noch lang und breit über diesen Kaspar mit Hut echauffieren, tue es aber nicht, da es um Nofretete geht. Ich sage nur noch eins, es ist ein Glück für die ägyptischen Altertümer und Finanzen, dass er endlich seines Postens enthoben ist.
Hawass wurde nicht müde gegen Ludwig Borchardt zu wettern, der angeblich bei der Aufteilung der mehr als 14.000 Fundstücke betrogen hätte. Von in einer geschlossenen Kiste voller Holzwolle bis zu einschmieren mit Schlamm wurde Borchardt alles mögliche unterstellt. Wahr ist davon nichts, außer das er vielleicht genau wusste, wie er die Büste für Berlin sichern könnte. Denn dem Grabungsleiter war bekannt, dass der französische Leiter der ägyptischen Antikenbehörde, Gaston Maspero, unbedingt ein Altarbild für das Kairo Museum haben wollte. So etwas hatte Borchardt ebenfalls gefunden – den Klappaltar von Kairo, ein farbiges Altarbild, das Nofretete und Echnaton mit drei Töchtern zeigt. Also kam dieses Stück in den einen Haufen und die Nofretete-Büste in den anderen. Problem gelöst – vollkommen legal ohne irgendwelchen Betrug – gelöst mit List.
Dennoch wird vermutet, dass Borchardt den von Maspero beauftragten Mitarbeiter Gustav Lefebvre beschwatzt habe. Allerdings ist man heute eher der Meinung, dass Lefebvre eher an Inschriften interessiert war, als an „langweiligen“ Büsten.
Erst 1914 wurden die Regelungen der Fundteilung verschärft, sodass einzigartige Stücke auf jeden Fall in Ägypten verbleiben sollten. Für die Nofretete-Büste war es da bereits zu spät.
Im übrigen hat Hawass nur einen alten Streit wieder aufgenommen, der seit den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts währte. Bedenklich mag es klingen, dass die Büste der Nofretete erst einmal beinahe zehn Jahre der Öffentlichkeit vorenthalten wurde. Dies hatte allerdings ganz einfache Gründe: Die Fundstücke wurden Ende 1913 ausgestellt, Borchardt hatte James Simon gebeten, dass die Büste nicht dabei sei, um angeblich bei seinen Ausgrabungen nicht gestört zu werden. Also blieb Nofretete weiterhin in der Villa der Simons bis sie 1920 dem Ägyptischen Museum Berlin übergeben wurde. Ausgestellt wurde sie dann allerdings immer noch nicht. Weitere vier Jahre blieb sie der Öffentlichkeit verborgen und stand im Zimmer des Direktors Heinrich Schäfer. Als sie schliesslich 1924, Borchardt war immer noch entschieden gegen eine Ausstellung der Büste, das erste Mal öffentlich ausgestellt wurde, wurden Stimmen laut, dass Ägypten damals betrogen worden sei. Die lauteste Stimme gehörte hierbei einem Franzosen, Pierre Lacau, der die Leitung des ägyptischen Antikendiensts innehatte.
Durch den Ersten Weltkrieg, der den Hass der Franzosen auf die Deutschen aufs Neue geschürt hatte, wollte Lacau nicht hinnehmen, dass Deutschland, Preussen, im Besitz der Nofretete-Büste war. Zudem muss man Bedenken, dass Lacau mit seinem Posten nicht zufrieden war und sich zurückgesetzt fühlte. Mit der Rückgabe wollte er auch ein an ihm ausgeführt es Unrecht wieder gutmachen.
Heinrich Schäfer und James Simon hatten sich damals umgehend für die Rückgabe der Büste ausgesprochen, im Tausch gegen zwei andere Statuen, doch die Politik entschied anders. Nofretete verblieb dort, wo sie noch heute zu bewundern ist.

Nofretete war die Frau des Ketzerpharaos Echnaton, früher Amenophis IV. Laut früheren Forschungen soll es sich bei ihr entweder um eine ausländische Prinzessin handeln, aufgrund ihres Namen „die Schöne ist gekommen“ oder um die Tochter eines hochrangigen Beamten. Neueste Forschungen lassen den Schluss zu, dass es sich bei Nofretete um eine leibliche Schwester Echnatons handelt. Denn laut dem Archäologen Marc Gabolde von der Universität Montpellier würde dies auf einem Relief aus einem Grab in Amarna stehen. Problem hierbei: Das Relief existiert nur noch auf einer Fotografie und zudem sei der Text unvollständig.
Was also ist nun Wahrheit, was Legende?
Passend dazu erscheint in wenigen Tagen ein Roman, der sich diesem Rätsel widmet. Seit gespannt auf „Die Rollen des Seth“.

 

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