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Die Stimme des Grauens der Hamburger U-Bahn


Da ist man mal wieder in Hamburg, ahnt nichts Böses, als man eine U-Bahn-Station betritt und dann wird man dort von einer Stimme angekeift, dass man zusammenzuckt und sich fragt, was man eigentlich verbrochen habe.
Wovon ich spreche? Jedenfalls nicht von jemandem, der sich über mich aufgeregt hat, sondern über die neue Stimme der Hamburger U-Bahn. Wer hat die denn bitteschön ausgesucht und wieso keift die die ganze Zeit so? Besonders schlimm ist es bei „Zurückbleiben!“, da fühlt man sich schon schuldig, auch wenn man nur auf dem Bahnsteig steht oder in der U-Bahn sitzt. Und dann die englischen Ansagen. An die berühmte „opportunity“-Rede kommt es zwar nicht heran – die war wenigstens noch lustig -, aber die Aussprache könnte um einiges besser sein. Vor allem rätselt man erst einmal, was da gerade gesagt wird, bis man darauf kommt, dass es sich um Englisch handelt.
Meiner Meinung nach ist die Stimme völlig fehlbesetzt. Leider musste ich sie dann auch noch auf der IGS in der Monorail ertragen. Wer hat die eigentlich ausgesucht?
Mit der guten Erreichbarkeit wird es begründet. Pah, eine blöde Ausrede, da hätte man auch jemanden wie beispielsweise Jan Fedder nehmen können, der bei den Promi-Ansagen die Haltestelle St. Pauli eingesprochen hatte.
Wozu gibt es eigentlich Castings, wenn am Ende doch nur der letzte Müll rauskommt? Anders kann ich es nicht sagen, denn die neue U-Bahn-Stimme erfüllt mich mit einem Grauen, wie ich das noch nie erlebt habe. Nehmt von mir aus Judith Rakers, aber doch nicht Antje Harnack. Ist schon schlimm genug, dass die so oft im NDR-Fernsehen auftaucht, aber da kann man wenigstens noch wegschalten. In der U-Bahn geht es nicht. Und ich kann doch nicht die ganze Fahrt über meine Ohren mit irgendeiner Musik beschallen, dass ich halbtaub werde und alle um mich im Waggon herum gleich mit beschalle, nur damit ich diese Stimme nicht höre. Aber was anderes bleibt mir wohl nicht mehr übrig, sollte ich in den nächsten Jahren wieder in Hamburg sein und mit der U-Bahn fahren müssen. Am besten überlege ich es mir gleich zweimal und werde auf S-Bahn oder Bus umsteigen. So werde ich zum Ziel zwar länger brauchen, aber ich entkomme dieser Stimme.
Ja, so sollte man es wirklich machen. Die ganze U-Bahn boykottieren, so lange die Stimme des Grauens zu hören ist. Für mich als Nicht-Hamburger kein grosses Problem, aber alle anderen? Da dürfte es schwierig werden.
Ich kann ja verstehen, wenn die Ansagen modernisiert werden müssen, aber dann wenigstens mit einer Stimme, die nett, freundlich und richtig betonen kann. Was ich mir da anhören musste, klang nach einem Anfänger, der zum ersten Mal eine Aufnahme macht.
Bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht, wenn er mit der Hamburger U-Bahn fährt.
Glücklicherweise erwischte ich bei der Rückfahrt einen Wagen mit alter Ansage. Das war eine Wohltat für die Seele.
Die Hochbahn will die Stimme nicht ändern. Warum auch? Hat schliesslich Geld gekostet, die ganzen Ansagen aufzunehmen. Allerdings hätten sie vielleicht zu Beginn ein richtiges Stimmencasting veranstalten sollen und nicht einfach eine Stimme nehmen, bloss weil die einen andauernd in Radio und Fernsehen beschallt. Denn jemanden oft zu hören oder zu sehen bedeutet nicht, dass diese Person auch wirklich beliebt bei der Mehrheit der Menschen ist.
Nun ist es zu spät und die U-Bahn-Fahrer müssen mit dieser Stimme leben, aber es ist und bleibt eine Stimme des Grauens. Beschallt mit ihr eine Geisterbahn, Am besten im neuen Eismeer, wo die Gänge lang und dunkel sind. Das würde wahrlich passen.

Mit dem letzten Absatz habe ich eine wunderbare Überleitung zu meinem eigentlichen Bericht geschaffen. Denn vom Eismeer und den anderen – weit besseren – Attraktionen will ich berichten.
Alljährlich im August finden an drei Samstagen die Romantischen Nächte im Hamburger Tierpark statt. Und da ich bis jetzt in den letzten Jahren immer dabei gewesen bin, musste ich auch dieses Mal hin. Meine Schwester natürlich wieder im Schlepptau. Sie hat endlich Sommerferien und natürlich nichts besseres zu tun, als ihren Lieblingsbruder „heimzusuchen“.
Wir kamen an und unser Weg führte uns zu den Elefanten. Darjeeling hängt immer noch am Rockzipfel seiner Tante, dem alten Lama. Ist aber nicht mehr so schlimm wie im letzten Jahr. Auch ist er kein Krawallmacher mehr, dass hat nun Gajendra übernommen. Der steht am Schmusegitter und haut immer dazwischen. Einige Elefanten scheinen sich dann immer zu überlegen, ob sie nicht zu ihm hingehen sollten. Geschah aber nicht. Der alte Schlaubeutel entschied sich dann auch dafür, noch ein paar Kohlrabistücke zu futtern. Die kleine, übermütige Shila darf nun auch von den Besuchern gefüttert. Darauf hatte sie seit mindestens drei Jahren gewartet. Nun also besteht die Möglichkeit, dennoch geht sie meist leer aus, denn man kommt einfach nicht bis zu ihr hin. Übersteigen und reinwerfen geht nicht, also was tun? Einfach ein paar lange Stücke parat haben und natürlich lange Arme. Als Jonas von einem Kind gefragt wurde, wie denn der kleine Elefant heisse und er dann auch noch von Lai Sinh und Yashoda erzählte, fragte ihn der Junge, ob ihm die Elefanten gehören würden. Da habe ich beinahe einen Lachanfall bekommen. Man stelle sich Jonas als Herr der Elefanten vor. Zu komisch. Jedenfalls verneinte das Jenalas Cousin mit dem Zusatz, dass dann noch Hagenbecks grösster Star hier wäre und nicht im fernen Belgien. Damit konnte nur eine gemeint sein: Mala!
Von Gajendra war bis auf das Randalieren am Schmusegitter wenig zu hören und vor allem zu sehen. Wenn er am Schmusegitter steht, sieht man absolut nichts von ihm und wenn er mal auf der Anlage auf und ab geht, dann kann man seinen Hintern bewundern. Gut, kurz hat er sich mal geschubbert, wie es Hussein öfters gemacht hatte, aber ansonsten war vom Pappsack wirklich nichts zu sehen.
Mit dem Randalieren kann man irgendwie verstehen. In Hellabrunn hat er öfters mal eine Dame bei sich gehabt und wenn es nur Mangala gewesen ist, die ihn wie einen Bruder ansieht. Ansonsten hatte er seine Hühner, die ihm zur Beschäftigung dienten. Hier hat er nichts. Einen Blick kann er zu den Kühen werfen und wenn er Glück hat, kommt auch mal eine vorbei. Geschieht recht selten, dass er nun frustriert zu sein scheint, weil er sich einsam fühlt.
Vielleicht hätte man doch lieber Mala behalten sollen. So langsam komme ich zu dieser Schlussfolgerung. Es wäre weit besser gewesen, die alte Dame zu behalten. Mit Gajendra wäre sie gut ausgekommen. Er ist recht friedlich und auch gutmütig, ähnlich wie Hussein, nur eben als Bastler bekannt. Mala hätte dann nicht mehr gefüttert werden dürfen, aber das hätte sie sicherlich verkraftet, zudem wäre es gut für ihre Figur gewesen. Aber vor über einem Jahr ging man noch davon aus, dass die TBC-Bazille Thisiam kommen würde. Dabei war dieser bereits 2006 mehrmals positiv auf Tuberkulose getestet worden. Danach fiel der Test immer negativ aus. Aber wie nun auch wissenschaftlich bewiesen ist, wer einmal Tuberkulose hatte und danach negativ getest wurde, hat es dennoch. Denn der Erreger verzieht sich ins Rückenmark, um irgendwann wieder auszubrechen. Also einmal positiv immer positiv. Und so kam Thisiam letztendlich nicht, dafür Gajendra, der nun ein wenig langweilig zu sein scheint. Mala hatte derweil das Feld räumen müssen, aber wer sie gesehen hat, sagt, dass sie sich in ihrem neuen Wohnort nicht wohlfühlt, auch wenn sie dort alles hat, was das Herz begehrt. Aber das Zuhause kann man ihr nun einmal nicht ersetzen. Ihre Augen haben ihren Glanz verloren. Ich habe es so oft schon geschrieben, aber das kann man gar nicht oft genug wiederholen.
Irgendwo setzten wir uns dann hin, wo wir von mehreren Musikgruppen beschallt wurden. Allerdings waren wir ein wenig enttäuscht, denn anfangs klang es für uns so, als würden die Gruppen sich noch finden müssen. Als hätten sie nie zusammen gespielt und müssten sich nun einspielen. Denn mit der Zeit wurde es besser.
Die besten Gruppen sind übrigens die im Sala-Tempel, die Blechbläser am Eingang und die Musiker auf dem Japan-Teich.
Den Tempel konnte man übrigens begehen. Das ist schon an normalen Tagen nicht möglich. Ich habe das natürlich gleich genutzt, um einige schöne Details zu fotografieren. Wann kommt man sonst schon dazu?
Bei den Orang-Utans noch eine lustige Szene beobachtet. Chef Tuan wurde von einer der beiden jüngsten Artgenossen mit Wasser nassgespritzt. Natürlich lachten die Besucher um mich herum, denn die Szene war auch zu komisch. Sofort kam Tuan nach vorne und es schien, als würde er sich alle Besucher ansehen, um sich zu merken, wer da alles über ihn gelacht habe. Dann entfernte er sich kurz und kam noch einmal zurück. Er wirkte immer noch wütend und sah wieder uns Besucher an. Sehr interessant, ich wartete nur noch darauf, dass er mit Wasser spritzen würde.
Die Walrösser schwammen alle eifrig umher. Im Herbst wird das erste Walross Deutschlands nach Antje wieder seinen Heimweg nach Russland antreten. Gemeint ist Neseyka. Diese schwamm immer mit Odin durch die weiten des Beckens. Ein anderes Walross musste den Felsen anbrüllen oder besser anprusten. Die beiden Eisbären waren am dösen. Tage vorher sollen sie durchs Wasser geschwommen sein, wie mir Jonas verriet. Davon sah ich jetzt nichts. Immer noch besser, als wenn Blizzard immer irre durch die Gegend läuft. Rostock ist wahrscheinlich immer noch heilfroh, ihn los zu sein.
Schnell durch die Gänge gehuscht, die immer noch als Geisterbahn zweckentfremdet werden könnten. Was anderes fällt mir dazu nicht ein, denn da gibt es ausser irgendwelchen Fotos, die an die ansonsten kahlen Wände angebracht worden sind, kaum was zu sehen. Ach ja, ein paar Sprüche von Menschen, die mit Nord- oder Südpol zutun hatten. Aber ansonsten gibt es da nichts.
Und ich bin ja nicht der einzige, dem das aufgefallen ist. Wenn man die Kinder so hört, die da durchgehen, dann hört man oft das Wort gruselig.
Im Grunde kann ich auch nicht verstehen, warum das die Attraktion des Jahres sein soll. Ich habe noch nie etwas so langweiliges gesehen. Da drin hält man sich doch nur eine Viertelstunde auf, weil man nicht einfach zwischendurch rauskommt, sondern dem Weg folgen muss.
In der Vogelvoliere gibt es nun überhaupt keine Papageientaucher mehr. Traurig, denn das waren nett anzusehende Vögel. Aber da hatte wahrscheinlich der Marder etwas anderes im Sinn, falls der es denn gewesen ist. Alle anderen Seevögel sind noch da und eifrig gegen die Wellen anschwimmend. Da interessiert mich am meisten der Mechanismus, wie die Wellenmaschine funktioniert. Und der Kühlschrank natürlich, wo man sich gut eine Erkältung holen kann. Viel sieht man dort nicht. Schwimmende Eselspinguine und dann natürlich die faulen Säcke – Königspinguine. Da kann ich gut verstehen, dass einer der beiden Chefs eine weitere Pinguingruppe kaufen wollte. Aber ein Dutzend für über 200.000 Euro hört sich viel an. Aber erstens muss man den Transport berechnen, da die Pinguine in Japan sind und zweitens gibt es nichts umsonst. Doch der zweite Chef, der für die Finanzen, stellte sich quer und blockierte den Kauf. So kam diese Sache vor Gericht und ein Richter musste nun über Kauf oder Nicht-Kauf entscheiden. Es kam zu letzterem, die Zügelpinguine mussten in Japan bleiben.
Dass, was sich anhört, wie aus einem schlechten Film, war nur der neuerliche Höhepunkt eines Familienstreits. Inzwischen ist man im Stadium Kleinkindergarten angelangt im Sinne von: „Bäh, du bist doof! Ich mag dich nicht!“ „Du bist noch blöder! Dir zeig‘ ich’s!“
Und so wird gestritten, was das Zeug hält. Das kostet jede Menge Geld, eine sechsstellige Summe monatlich heisst es. Aber beide Parteien werden wohl eine Rechtsschutzversicherung haben – übrigens die wichtigste Versicherung nach der Haftpflicht. Wenn sie keine hätten, würden sie wohl auch die Streitigkeiten längst eingestellt haben – mangels Geld.
Die Zeitungen freuen sich über die Streiterien, haben sie doch was zu berichten. Bloss wie schädlich das für das Unternehmen ist und die Mitarbeiter nicht wissen, was sie eigentlich machen sollen, um nicht abgemahnt zu werden, weil der eine Hüh und der andere Hott sagt, daran denkt niemand der beiden Parteien. Die Spenden und Testamente bleiben aus, die Besucher sowieso. Schon jetzt haben seit Malas Weggang viele Jahreskartenbesitzer nicht mehr ihre Karte nach Auslaufen verlängert. Jenala ist eine von ihnen und sie ist konsequent. Ohne Mala kein Hagenbeck. Und so denken auch andere. Doch Mala ist das kleinere Übel. Denn wenn man liest, dass die Streiterein monatlich eine sechsstellige Summe kosten, werden sich potenzielle Spender es sich zweimal überlegen, wohin sie ihr Geld geben. Denn es könnte durchaus angehen, dass das Geld nicht den Tieren zugute kommt, sondern für einen lächerlichen Rechtsstreit verwendet wird. So wird es natürlich nicht sein, aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Dieser Kleinkinderkram bringt Schaden, den man in fünfzig Jahren nicht wieder gutmachen kann.
Das sind erwachsene Menschen, die sollten es doch schaffen, sich zusammenzuraufen. Gut, es gibt seit Jahrzehnten Gerüchte, dass dort mit Geld gemauschelt würde, aber wieso ist das nun auf einmal so wichtig? Weil eine der beiden Personen im Grunde genommen nichts mehr mit dem Unternehmen zu tun hat? Nur noch durch die Nachkommen damit verbunden ist? Ist das der Grund? Bald scheint es so zu sein, denn das fing erst an, nachdem es eine Neuverheiratung gab. Nun gut, dass sind Spekulationen, aber man sucht eben nach Gründen.
Wenn man jemandem von diesen Querelen erzählen würde, der käme auf den Gedanken, dass es sich um einen schlechten Film handeln würde. Ich habe es weiter oben bereits erwähnt.
Darüber könnte man wirklich eine Serie machen, wenn es nicht so traurig wäre, was da abläuft.
Carl Hagenbeck würde sich in seinem Grab umherdrehen, momentan „wandelt“ er gerade während der Musiksamstage durch den Park und erzählt Anekdoten. Zum Kleinkinderkram wird er lieber schweigen.

Während wir so durch den Park umhergingen, ich die Überreste der Birma-Völkerschau sah, den Brontosaurus mit seinem hohlen Bauch, da musste ich wieder an den Thriller „Die Rollen des Seth“ von Helen Dalibor denken. Auf einmal wurde die Handlung, trotz der vielen Leute, lebendig. Man sah förmlich, wie Masut sich im Bauch des Dinosauriers versteckte, wie am Japanteich der Film „Harakiri“ gedreht wurde oder eben Isis mit ihren Freundinnen vor dem Eismeer standen. Die Geschichte wurde lebendig. Genau so sollte ein Roman sein. Wenn man ihn gelesen hat, dann an dem Ort steht, der darin vorkommt, und alles sofort wieder erkennt. Also, schön den Thriller lesen. Wer es nicht tut, hat etwas verpasst. Ausserdem hat Elefantendame eine nicht eben kleine Rolle darin. Wenn auch eher als Bertha.
Im Mai habe ich mich über dieses billige Feuerwerk aufgeregt und dass man am Ende vor lauter Nebel den Weg zum Ausgang nicht fand, sondern blind herumirrte. In den letzten Jahren war auch dieses Feuerwerk sehr enttäuschend geworden, aber in diesem Jahr, war das wirklich erste Sahne.
Es knallte nicht so laut wie sonst und wie Farben des Feuerwerks waren einfach brilliant. Am Ende stand man ergriffen und sann noch über das schöne Feuerwerk nach. Wie es sich anhörte, gab es dieses Mal auch Live-Musik mit mindestens einem Stück aus „Carmen“: Auf in den Kampf Torero. Auch passend für die Familienstreitigkeiten. Aber das nur so nebenbei. Ich persönlich fand die Musik sehr schön abgestimmt zum Feuerwerk.
Wer also heute oder nächste Woche sich in Hamburg aufhält, sollte sich auf den Weg in den Zoo machen – falls sie/er das Geld ausgeben möchte und sich nicht vor der Stimme des Grauens in der U-Bahn fürchtet.

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Viel Beton für nichts – Welch eine Enttäuschung


Lange habe ich davon geredet, dass ich mir in Hamburg das neue Eismeer ansehen will. Nun habe ich das am vergangenen Wochenende getan. Fazit: Ich bin enttäuscht. Warum? Na, das werde ich nun erzählen.
Momentan sind die Romantischen Nächte im Hamburger Tierpark. Und da ich klassische Musik mag, musste ich da natürlich hin. Habe das früher schon mal miterlebt. Ist aber schon ein paar Jahre her.
Sofie, meine kleine Schwester war dabei. Es ist kaum zu glauben, dass sie schon wieder gewachsen ist. Wie die Zeit vergeht…
Jenala ist nicht mit in den Tierpark gekommen. Sie hält ihren Schwur konsequent durch, also hatte ich nur als Begleitung nehmen meiner Schwester Jenalas Cousin Jonas. Der kennt sich dort auch bestens aus, also gar kein Problem. Wenn man ihm bloss mal sagen würde, dass er nicht einen neuen Geschwindigkeitsrekord durchs Tropen-Aquarium aufstellen soll.
Im Tropen-Aquarium war’s mir ein wenig zu warm. Aber ich bin auch recht empfindlich, was Wärme betrifft. Mir war Gondwana-Land in Leipzig schon nicht für den Kreislauf förderlich.
Von den Kattas, den Lemuren aus Madagaskar habe ich keinen einzigen erblickt. Die hatten sich wohl gerade zurückgezogen, als wir ankamen. Soll öfters mal vorkommen, wie Jonas mir sagte. Da war ich schon ein wenig enttäuscht. Da zahle ich den Eintritt dafür und sehe die nicht einmal.
Bei den Fledermäusen mochte ich mich nicht lange aufhalten, weil es dort jämmerlich stank. Ja, ich verstehe, dass Tiere nicht geruchslos sind, aber deshalb muss das noch lange nicht so sein, dass man vom Gestank beinahe erschlagen wird.
Danach wurde es merklich kühler, denn nun kamen die Unterwasserwelten, wo ich mich besonders über die Igelfische freute. Seit Knurpsy aus dem Allwetterzoo Münster bin ich ein Fan von diesen Fischen, die sehr vom Aussterben bedroht sind. Einer blähte sich sogar auf, als ihn eine der Langusten zu fassen bekam. Ob die ich wohl fressen wollte? Jedenfalls war er kugelrund und seine Stacheln standen ab. Auch einige Minuten später konnte man ihn noch gut von dem anderen unterscheiden. Denn seine Stacheln standen immer noch ein wenig ab.
Im grossen Panorama-Aquarium schwamm ein Zackenbarsch, den Jonas als Fisch mit Starallüren bezeichnete. Denn immer wenn er auf ihn warte, würde dieser sich in die dunkelste Ecke des Beckens zurückziehen.
Dann in den Park, wo wir natürlich gleich zum Eismeer gingen. Gewaltig ist es ja geworden, dass muss ich schon zugeben. Aber die Eisbären finde ich dann doch etwas verloren in dem hinteren Teil des Geheges. Mag vielleicht daran liegen, dass man immer nur diesen verrückt hin- und herrennenden Eisbären Blizzard sieht. Der Bereich wirkt riesig, aber das ist ja wohl auch so gewollt.
Und dann das Innere. Da sieht man gleich weitere Mängel.
Erstens das grüne trübe Wasser im Eisbärengehege. Das soll von Mikroorganismen gereinigt werden, aber irgendwie scheinen die sich noch nicht gebildet zu haben oder sie sind überfordert.
Einen richtigen Blick aufs Eisbärengehege kann man gar nicht werfen, nur durch die Scheiben oder aber von der Walross-Anlage aus.
Apropos Walross, bisher schwimmt da nur eines umher und laut Jenala wird das auch nicht ewig bleiben, sondern nur ein paar Jahre. Aber wieso wird dann gesagt, mit dem Walross soll gezüchtet werden? Vorspielung falscher Tatsachen oder wer hat nun recht? Auf Gerüchte soll man nicht viel geben, aber manchmal enthalten sie schon ein Quentchen Wahrheit.
Weiteres Manko, die engen Gänge gleich nach der zweiten Eisbär-Scheibe. Wenn da die Leute zuhauf stehen, um einen Blick auf das Walross zu werfen, kommt man da kaum vorbei. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen überhaupt nicht. Ich will nicht wissen, was passiert, wenn da mal Panik ausbricht. Aber solche engen Gänge gibt es im Tropen-Aquarium auch. Da kommt man an einem Rollstuhlfahrer kaum vorbei. Aber die Sicherheitsanforderungen sind wohl erfüllt worden, auch wenn ich nicht weiss, wie sich ein äusserst vollschlanker Mensch an einem Rollstuhl vorbeischlängeln will. Da hält der Rollstuhl alle auf. Bei einem überbreiten Rollstuhl kommt nicht einmal so ein Schlacks wie ich vorbei. Da hätte drüber nachgedacht werden sollen. Beim Eismeer wird der Gang dann aber bei der grossen Walross-Panoramascheibe ein wenig grösser. Dennoch sind die langen Gänge ein weiteres Manko. Sie mögen zwar grossflächige Bilder, Texte und Sprüche von bekannten Menschen wie Schriftstellern oder Forschern haben, aber die guckt man sich einmal an, liest sich den Text durch und dann vergisst man es wieder. Wer öfters kommt, wird durch diese Gänge nur lustlos gehen, so wie eben Jonas, der jedes Mal einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen versucht. Momentan liegt er bei elf Minuten, wie er mir stolz erzählte.
Einen interessanten Einblick bekommt man, wie das Eismeer hinter den Kulissen mit der ganzen Technik funktioniert. Zwei Enten – genauen Artnamen weiss ich jetzt nicht – sollen sich auch mal ausserhalb des Pinguingeheges aufhalten. Leider habe ich sie nicht gesehen.
Dann kommt man in eine dunkle Höhle und fragt sich eigentlich, was das soll. Bis man links im Wasser mit Glück einen oder mehrere Pinguine schwimmen sieht. Nun kommt die Freiflugvoliere mit Trottellumme, Papageientauchern und weiteren Vögeln. Einen Aufpasser habe ich nicht gesehen, obwohl sich eigentlich immer einer dort aufhalten soll.
Als technik-interessierten Menschen habe ich mir gleich ein Bild davon gemacht, wie denn nun die Wellenmaschine funktioniert. Einfach gesagt: Ein Brett, dass im Wasser hin- und herschwenkt. So kommen die Wellen zustande.
Durch einen Vorhang aus Seilen verlässt man nun die Voliere und geht wieder einen Gang entlang. Beinahe läuft man an einer blauen Tür vorbei, bei der man auch noch Probleme beim Öffnen hat.
Dunkelheit und Kälte empfängt einen. Der Besucher tastet sich nach vorne vor und wird nun auch mit Fisch- und Pinguingestank umhüllt. Wer’s mag. Ich habe mir erst mal die Nase zugehalten, denn wie gesagt, meine Nase ist empfindlich.
Wie Jonas sagte, ist dieser Gestank durchaus beabsichtigt, denn man soll die Pinguine fast mit allen Sinnen erfassen, also mit den Augen und der Nase.
Sogar ein paar Pinguine entdeckt, die sich nicht in ihrem Gehege aufhielten, sondern oberhalb der Abtrennung. Jonas freute sich wahnsinnig über die „entflohenen“ Pinguine. Einer kam mir richtig nah, als ich ihn fotografierte, da bin ich aber schnell in Deckung gegangen. Meine Kamera ist mir lieb und teuer.
Dort bin ich schnell wieder raus, denn ich musste wegen der Kälte an meine Batterien denken. Nun folgte ein langer Gang mit Bildern aus der Geschichte des Tierparks und des Eismeeres. Ein paar kurze Texte gab es auch. Ganz nett gemacht, aber mehr auch nicht. Ehrlich gesagt einfallslos.
Noch eine Treppe hochgestiegen, wo man sich an den Wänden die verschiedenen Baustadien des Eismeeres ansehen kann. Mag vielleicht näher dran gewesen sein, aber Jenalas und Jonas‘ Bilder sind besser, da immer aus der gleichen Perspektive aufgenommen. Da sieht man die Veränderungen viel besser und könnte eine gute Bilderstrecke draus machen.
Oben angekommen gibt es eine kleine Aussichtsplattform, wo man zwar weit nach Hamburg reinsehen kann, aber wirklich besonders ist das nun auch wieder nicht, so dass ich mich hier gefragt habe, was das eigentlich sollte. Schliesslich sind an einer Wand noch zwei Teile des alten Eismeers befestigt. Des weiteren drei verschiedene Modell-Felsen, wo darüber entschieden wurde, welche Firma nun die künstlichen Felsen modelliert. Wer aber nun das Rennen von den drei Firmen gemacht hat, wurde nicht deutlich, oder ich habe es übersehen. Letzteres glaube ich aber nicht.
Und dann war man auch schon durch. Jonas hatte die Zeit gestoppt. So knapp eine Stunde hatten wir im Eismeer verbracht. Und dafür wird also mehr als neunzig Minuten veranschlagt. Und ich bin da wirklich nicht durchgehetzt.
Bei den Elefanten war es ganz komisch, dass leere Bullengehege zu sehen. Es war das erste Mal, dass ich weder Hussein noch Mala antraf. Traurig war’s. Darjeeling, der kleine Racker, nervte wieder seine Lieblingstante, die abgezehrt wirkt. Soll ja auch immer Ammendienste leisten, wie mir Jonas sagte.
Später am Abend, als dann die Musik überall im Tierpark ertönte, konnte man über einen Teich mit recht viel Entengrütze, sich mit einer Gondel fahren lassen. Jonas wollte anfangs ja wie die Venezianer in ihren Gondeltaxis – gibt es wirklich und soll so um 50 Cent pro Fahrt kosten – stehen, was ihm Sofie und ich ausreden konnten. Der wäre noch im Wasser gelandet. Die Fahrt war kurz aber schön. So bin ich nun endlich auch mal Gondel gefahren und musste dazu nicht extra nach Venedig.
Der Feuerwerk war schon, aber zu laut.
Fazit: Beim Eismeer kann man nur sagen: Viel Beton für nichts. Ich bin wirklich enttäuscht und habe mir etwas Grossartigeres vorgestellt. Eine Dinge sind nicht genau durchdacht, wie die engen Gänge zu Beginn, wo es dann zum Stau kommt.
Der Rest des Tierparks ist sehenswert wie immer, bloss eine alte Elefantendame wird vermisst.
Wo ich von Mala gerade spreche. Auf der Facebook-Seite des Pairi Daiza kann man sich ein sehr kurzes Video mit Mala ansehen, wo sie durch den Park geführt wird. Das erste Lebenszeichen von ihr seit dem Bild vor über einem Monat.

Zwei Tage später sind dann Sofie, Jonas, Jenala und ich zu einem anderen Tierpark in der Nähe von Hamburg gefahren: der Tierpark Krützen.
Dort sind auch einige ehemalige Hagenbeck-Bewohner zu sehen, wie die Hutaffen, die beiden adulten Kamele oder der schwarze Alpakahengst namens Machote. Diesem sieht man sofort an, dass Ocho sein Vater ist. Etwas kleiner als dieser, aber genauso verrückt.
Dieser Tierpark ist zwar in einer dreiviertel Stunde durchgangen, wenn man schnell sich jedes Tier ansehen will. Ich finde ihn nicht schlecht, denn man sieht hier Tiere, die man nicht überall sieht, wie beispielsweise Hutaffen oder weisse Pfaue. Auf Elefanten oder Giraffen muss man verzichten, aber das ist nun wirklich nicht schlimm. Was ich nicht gesehen habe, waren Kulane, nur Przewalski-Pferde.
Alle Tiere lassen sich mit dem dort gekauften Futter oder selbst mitgebrachten Äpfeln oder Mohrrüben füttern. Das ist natürlich immer was besonderes. Bloss bei den Lamas sollte man aufpassen, denn da kann es passieren, dass man als Besucher angespuckt wird anstelle des Futterkonkurrenten. Und hier lassen sich sogar Zebras füttern, was ich noch nie gemacht habe.
Da sollte man unbedingt mal hinfahren, es lohnt sich wirklich. Und der Eintritt ist mit sechs Euro für Erwachsene auch nicht sehr hoch.

Bilder werde ich nachliefern, wenn ich sie durchgesehen habe.

Arbeiten musste ich heute auch noch, und das an meinem freien Tag. In Bayern herrscht heute Feiertag, weshalb ich eigentlich nach Hause fahren wollte. Der Tag war bei mir nicht mehr als Urlaubstag eingetragen, aber eben Feiertag. Und dann bekam ich die Aufgabe, mich unter die Olympischen Sportler zu mischen, um ein paar Interviews zu machen. Habe wirklich besseres zu tun. Das einzig Gute: Mir wird die Rückfahrt erstattet und ich bekomme Überstunden angeschrieben.

 

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Wie ein Tierpark seinen größten Star abschob und damit eine Ära endete – Elefantendame Mala ist fort!


Ausnahmsweise beginne ich den Blog direkt mit einem Bild.


Dieses verwaiste Bild bietet seit Mittwoch das Bullengehege im Hamburger Tierpark. Fast hat es den Anschein, als würde Mala gleich von hinten kommen und die Anlage betreten. Doch sie wird nie mehr kommen, denn der klügste Elefant, den dieser Tierpark jemals hatte, ist fort – für immer.

Eigentlich wollte ich jetzt hier gross und breit über die langersehnte Eröffnung des Eismeeres berichten, doch die Geschehnisse dort haben sich verschoben, denn es ist etwas eingetreten, womit alle rechnen mussten und dennoch hofften, es würde nie kommen.

Nina ist wirklich zu bedauern. Erst muss sie damit zurechtkommen, dass der Elefantenbulle kurz vor dem Transport in sein neues Zuhause tot umfällt. Und nun ist ihre schlimmste Befürchtung eingetreten: Elefantenkuh Mala hat den Tierpark für immer verlassen. Nach sechsundvierzig Jahren in Hamburg, musste sie am Mittwoch den Weg nach Belgien antreten, wo sie ein Platz im Pairi Daiza, vormals Parc Paradiso, erwartete.
Klammheimlich ging sie am Mittwoch auf die Reise. Nirgendwo wurde es berichtet, stattdessen bereitete man sich auf die grosse Eröffnung des Eismeeres vor. (erst Donnerstagnachmittag wurde die Neuigkeit ins Internet gestellt. Und wie Hohn klingt es, wenn da steht, dass sie dort hoffentlich Leitkuh werden darf.) Zeitung und Fernsehen war da und berichtete gross und breit über das Spektakel des Jahres. Mala hingegen wurde mit keinem einzigen Buchstaben erwähnt. Sie ist ja auch so unbedeutend, eben das fünfte Rad am Wagen.
Durch Zufall erfuhr Nina davon. Ihr Cousin erwartete sie bereits am Donnerstag am Eismeer und teilte ihr die Hiobsbotschaft mit. Danach war für Nina alles gelaufen, was man verstehen kann, denn sie hing an Mala wie sie nicht einmal an Jenny gehangen hat. Und dann so mir nichts dir nichts zu erfahren, dass der Elefant, der einem so viel bedeutet, nicht mehr da ist, ist besonders traurig.
Ich kann es in dem Sinne nur nachempfinden, dass ich mal einen Hund namens Ajax hatte. Und als der starb, glaubte ich, eine Welt würde zusammenbrechen. Mehr als eine Woche war ich neben der Spur. Auch wenn ich nicht weinte wie ein Schlosshund, so war ich doch irgendwie am Ende. Es fehlte etwas, ein Teil von mir war plötzlich verschwunden und würde nie mehr wiederkehren.
Mala hingegen lebt noch, aber sie ist weit weg, in Belgien, in Brugelette, im Pairi Daiza.
Ich weiss nicht, warum sie so weit weggehen musste. Wahrscheinlich deshalb, damit es auch garantiert nicht die Möglichkeit gibt, sie zurückzuholen.
Nina hat letzte Woche noch gesagt, sie würde sich irgendwelche Aktionen einfallen lassen, wenn es sein müsste, nur damit sie bleiben kann. Ernst meinte sie es, wusste nur nicht, was sie tun sollte. Ihrem Cousin wäre sicherlich was eingefallen, wobei ich da so meine Bedenken hätte, was das geworden wäre.
Nina und Mala, das war etwas Besonderes, das konnte man sehen. Wenn Mala hinten stand und Nina ging zum Gehege, stellte sich dort hin, machte weiter nichts, sondern stand einfach da, dann kam Mala. Sie sah, besser roch, Nina und kam, in ihrem typischen flotten Schritt.
Insgeheim macht Nina sich auch Vorwürfe. Denn wenn sie am Dienstag hingegangen wäre, hätte sie die Dickhäuterin noch einmal gesehen. Aber sie ging nicht hin, obwohl Rani ihren dritten Geburtstag feierte. Ninas Schwester hatte auch Geburstag, weshalb sie sich für diese entschied. Und nun nagt es an ihr, dass sie Mala an dem Tag noch hätte sehen können.
Mit Mala verliert Hagenbeck seinen grössten und beliebtesten Star. Ich sage bewusst, dass Mala ein grosser Star ist, denn sie hat die meisten Tricks beherrscht, war die gelehrtigste unter ihnen. Und vor allem die Stammbesucher haben sie gemocht. Und selbst wer sie nicht kannte, war gleich von ihrem freundlichen Wesen eingenommen.
Malas einziger Fehler war, wenn man von ihrem Weben absieht, dass sie sich nicht mit der Leitkuh Mogli verstand. Damals, 1992, starb die damalige Leitkuh und beide Kühe wollten diesen Posten haben. Kann man ja auch verstehen. Seit Mogli da war, begann Malas Stern langsam zu sinken, also wollte sie der nicht auch noch den wichtigsten Posten in der Herde überlassen.
Während einer Dschungelnacht kam es zu einem Unfall, wo ein Elefantenpfleger verletzt wurde. Auslöser war Mala, die ihrer Konkurrentin Mogli in den Schwanz gebissen hatte. Sie hatte eben die Chance gesehen, sich an ihr zu rächen. Wer sollte es ihr verdenken? Wir machen so was bei unserem Feind doch auch, wenn die Gelegenheit günstig ist. Aber ein Elefant in Menschenobhut darf so etwas nicht tun. Und so wurde später entschieden, dass Mala aus der Herde genommen und zu Hussein ins Bullengehege
Diese Anlage war anfangs als Mutter-Kind-Anlage genutzt worden, wo auch Mala als „Tante“ bei den Jungtieren stand. Dann wurden die Nashörner abgeschafft, dort kam die Mutter-Kind-Anlage hin und die ehemalige Anlage wurde zu dem, was sie eigentlich war, das Bullengehege. Hussein zog ein und mit ihm Mala als seine Gesellschafterin oder Mitbewohnerin, ganz so, wie man es auch immer sehen will.
Achtzehn Jahre ging es gut, es gab mal immer wieder Höhen und Tiefen, doch sie kamen gut miteinander aus. Dies änderte sich im August 2010, wo Hussein Mala arg malträtierte, dass sie verzweifelt um Hilfe rief. Danach war in der Beziehung der beiden nichts mehr, wie es vorher war. Mala fürchtete Hussein anfangs geradezu. Dann ging es wieder einigermassen, doch irgendetwas zwischen den beiden war zerbrochen. Für den Laien war dies nicht zu sehen, aber Nina sah es. So wie sie auch eine letzte von Husseins Attacken Anfang April diesen Jahres sah. Kandy, Tochter von Spucktante Yashoda, kam ihr zu Hilfe. Und dann kam der 15. Juni: Hussein sollte gehen und starb kurz vor dem Gang in die Transportbox. (Das Obduktionsergebnis steht immer noch aus, obwohl die zehn Tage lange genug rum sind.)
Mala nahm das ganz locker hin, wirkte richtig gehend befreit am nächsten Tag. Sie wurde zu Königin Mala, die Audienz gab. Auf einmal war das Futter ihr nicht mehr so wichtig, dass die Besucher ihr reichten.
Aber eine Woche vor ihrer Abreise wirkte die Elefantendame verändert. Sie hätte traurig gewirkt, bedrückt, niedergeschlagen. Nina deutete es als Trauer, doch nun weiss sie, dass es ganz etwas anderes war.
Nach Russland ist Mala nicht gekommen, wie Ninas Cousin geunkt hatte. Aber weit weg ist sie dennoch. Nach Belgien sind es mit dem Zug mindestens sechs bis acht Stunden.
Wer hätte gedacht, dass es so schnell gehen würde? Eben noch da, am nächsten Tag schon weg.
Nun muss man sich Sorgen um Malas Gesundheit machen, denn in Pairi Daiza wird auch ein afrikanischer Elefant gehalten. Und wie es aussieht, haben die asiatischen Elefanten nahen Kontakt. Das ist gar nicht gut, denn die afrikanischen können Elefanten-Herpes übertragen. Mala könnte es kriegen. Damals, als in Hagenbeck noch asiatische und afrikanische Elefanten gehalten wurden, hat sie es nicht bekommen. Aber damals war sie ein junger Elefant. Sie ist in einer neuen Umgebung, bei Menschen und Elefanten, die sie nicht kennt. Da kann das Immunsystem in den Keller gehen und Mala hat es wirklich nicht verdient, so von dieser Welt zu gehen. – Weil sie das fünfte Rad am Wagen ist.
Ich hätte sie gerne wieder besucht, die alte Tauschgeschäftemacherin, wenn ich mir das Eismeer angesehen hätte. Sie war der grösste Star von allen und wie in diesem Lied aus dem Musical „Sunset Boulevard“, das auf dem gleichnamigen Kinofilm beruht, sank auch ihr Stern bis sie ins Abseits geriet.
In dem Thriller „Die Rollen des Seth“ von Helen Dalibor ist Mala als sie selbst und als Elefantenkuh Bertha ein Denkmal gesetzt worden. Das ebook ist beispielsweise bei Amazon oder Weltbild erhältlich. Und nicht nur Mala hat ihren Platz in dem Thriller gefunden, sondern auch das alte Eismeer. Die Dickhäuterin wird in den folgenden Romanen der Isis Just-Reihe eine weitere bedeutende Nebenrolle spielen.
Tschüß, Mala, vielleicht finden sich ja einige Menschen zusammen, die dich wieder zurückhaben wollen. Vielleicht kannst du dann wiederkehren – wenn du darfst.


Tschüß ihr alle! Vielleicht komme ich wieder! Bleibt mir treu und vergesst mich nicht – niemals!

Weitere Berichte über Mala:
Quo vadis, Mala
1. Jahrestag
50. Geburtstag
2. Jahrestag
3. Jahrestag
4. Jahrestag

Und dann doch noch zum Eismeer. Am Donnerstag ist es feierlich eröffnet worden, mit Zeitung, Fernsehen und allem drum und dran. Die Besucher haben nun die Möglichkeit, auch das Innere des Baus zu begutachten.
Hierzu darf ich Jonas erwähnen, der so nett war und mir seine Eindrücke überlassen hat. Nina kann dazu gar nichts sagen, hat alles nur durch einen Schleier wahrgenommen.
Man kommt in einen Gang, sieht das Wasserbecken der Eisbären, wo sich allerdings keiner der beiden tummelte. Das Männchen soll recht ramdösig sein und sieht auch nicht gerade wie eine wahre Eisbärenschönheit aus, soll heissen: Es ist das hässlichste Exemplar, das Jonas je gesehen hat. – Wie viele Eisbärenmännchen hat er denn bis jetzt in seinem Leben schon gesehen?
Dann weiter und man kommt zum Becken, wo sich das Walross mit zwei Kegelrobben drin tummelt. (Ganz ehrlich, wenn ich Kegelrobben sehen will, fahre ich nach Helgoland, das gleiche gilt für Papageientaucher) Der Clou hier sind die beheizten Sitzsteine, so dass man sich als nierenkranker Mensch und garantiert keine Blasenentzündung holt.
Weiter durch lange, zum Teil dustere Gänge, die geradezu dazu einladen, dass sich da ein paar Erschrecker hinstellen. Ganz ehrlich, Jonas ist der festen Überzeugung, dass das die perfekte Geisterbahn wäre. Phantasie hat er, das kann man wirklich nicht leugnen. An den Wänden würde passend zur jeweiligen Landschaft auch was stehen. Weitere Becken kommen, dann auch die Pinguine, deren hintere Anlage man auch begutachten kann. Schliesslich der Raum für die Freiflieger mit Trottellummen und Papageientauchern. Dann übersieht man beinahe die Tür für die Königs- und Eselspinguine. Dort ist es nicht nur eiskalt – Jonas benutzte ein anderes, ähnliches Wort -, sondern stinkt auch ziemlich nach Fisch und Pinguin. Nunkommt man auf einen langen Gang, der mit der Geschichte des Eismeeres von damals bis heute geschmückt ist. Schliesslich betritt man eine Treppe und sieht an den Wänden die bedeutenden Daten fürs neue Eismeer. Noch schnell ein Blick über den Rand der Fläche geworfen und man hat es dann auch schon fast geschafft.
Jonas‘ Meinung: So toll ist das gar nicht. Der Vorgänger war besser.
Uriger wird er wohl gemeint haben. Die Bilder, die ich hier gesehen habe, sprechen für sich. Es mag alles grösser sein, aber schöner ist es bei weitem nicht. Viel zu eckig. zu steril, zu kalt. Das ist nicht das, was es war. Aber es war klar, dass das alte niemals wiederkommen würde. Und dennoch, man trauert dem Original-Eismeer hinterher. Denn dies war der Ort, wo „Die Spinnen“ gedreht wurde und noch andere Stummfilme.
Ach ja, Vorsicht vor dem Walross bei der Vorführung: Es spuckt auf Kommando. Da sollte man als Zuschauer nicht in den ersten Reihen stehen, sonst wird man unter Garantie nass.
Unter den „Gesammelten Werken“ gibt es ein paar Bilder vom neuen Eismeer. (Nicht mehr, vielleicht stelle ich sie irgendwann wieder ein.)

 
 

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