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Habemus papam – Papstwahl mit zwei Sensationen


Die Sensation ist wahr geworden. Zum allerersten Mal steht ein Südamerikaner der Welt Kirche vor, zudem gehört er dem Jesiten-Orden an.
Um 19.05 Uhr nach fünf Wahlgängen stieg weisser Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Die Kardinäle hatten sich für einen von ihnen als Nachfolger Petri entschieden. Mehr als eine Stunde mussten wir warten bis endlich die Sätze kamen:
„Annuntio vobis gaudium magnum; habemus Papam: Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Georgium Marium Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Bergoglio qui sibi nomen imposuit Franciscu“.
Sagte gestern Abend um etwa 20.05 Uhr der erste der Kardinal-Diakone, Jean-Luis Taurant.
Der Franzose hatte anfangs auch als papabile gegolten, wegen seiner angeschlagenen Gesundheit aber schnell wieder rausgefallen. Man konnte es sehen, dass er gesundheitlich angeschlagen ist. Er wirkte wie ein Klappermännchen, dass sich kaum auf den Beinen halten kann.
Der Mutter des Wiener Kardinals Schönborn dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein, als sie den Namen hörte, da es nicht ihr Sohn war, auf den „das Fallbeil niedergekommen“ war.
Nach der Verkündung des Namens ging das grosse Rätselraten los. Welcher italienische Kardinal (denn der Name Bergoglio ist italienisch) ist da eigentlich gewählt worden? Beim TV-Sender Phoenix hatte man hingegen nicht den Papstnamen verstanden. Den hatte ich gehört und mich gefragt, wieso denn eigentlich die Zahl fehlt, der wievielte Papst dieses Namens nun dran ist. Als dann mir klar war, dass Bergoglio sich Franziskus nannte, konnte es nur der erste sein. Die römische Ziffer eins wird allerdings erst hinter seinen Namen kommen, wenn es einen weiteren Papst mit diesem Namen geben wird. So lange heisst es Papst Franziskus. Mit Italiener lag es zwar nicht richtig, aber auch nicht ganz falsch, denn Bergoglio besitzt neben der argentinischen auch die italienische Staatsbürgerschaft. Das wird die Italiener sicherlich freuen, wo sie doch endlich wieder einen der Ihren auf dem Stuhl Petri sehen wollten. Dass er aus dem anderen Ende der Welt kommt ist hierbei dann zweitrangig.
Jorge Mario Bergoglio ist der zweite nichteuropäische Papst seit 740 Jahren. 1272 wurde ein Syrer zum Papst gewählt. Franziskus ist der erste Papst aus dem Jesuiten-Orden und der erste Ordensangehörige seit 166 Jahren. Zudem ist er der erste Papst aus Lateinamerika, wo es die meisten Katholiken gibt. Mit seiner Wahl zum Pontifex maximus – eigentlich ein heidnischer Titel, den bereits Julius Caesar und andere alten herrschenden Römer trugen, es bedeutet oberster Brückenbauer – wurde das Zeichen gesetzt, dass die katholische Kirche nicht nur in Europa ist. Ob das nun gut für Europa sein mag, dass ein nichteuropäischer Geistlicher Papst wurde, wird sich zeigen. Denn die eigentlichen Probleme wie Kirchenaustritte liegen in Europa, aber auch in Afrika ist eine Abkehr vom Katholizismus zu beklagen. Und besonders in Südamerika wenden sich die Menschen von der katholischen Kirche ab und suchen eine neue Heimat in den sektenähnlichen Religionen, auch wenn sie dort immens wachsen mag. Viele vermischen das Christentum mit früheren Gottheiten.
Wer aber ist nun eigentlich der neugewählte Papst?
Jorge Mario Bergoglio ist der Sohn von italienischen Auswanderern. Er machte einen Diplomabachluss als Chemie-Techniker und trat danach in den Jesuitenorden ein.
1969 empfing er das Sakrament der Priesterweihr, im Jahr danach macht er seinen Abschluss in Theologie. Zehn Jahre zuvor hatte er bereits seinen Abschluss in Philosophie gemacht. Mitte der 80er Jahre kam er für einen Forschungsaufenthalt nach Deutschland an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Seitdem spricht Bergoglio auch Deutsch.
1998 wurde er zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt und bekam 2001 die Kardinalswürde verliehen.
Ein Schatten liegt über seiner Zeit während der argentinischen Militärjunta (1976 bis 1983), wo ihn jesuitische Brüder beschuldigten, nicht genug für sie getan zu habe, als sie in den Foltergefängnissen einsassen. Auch sagte sein ehemaliger Chauffeur, dass Bergoglio sich öfters mit einem Junta-Mitglied getroffen hätte. Bergoglio begründete seine Treffen damit, dass es in den Gesprächen darum gegangen sei, den Jesuiten-Orden und seine Novizen zu schützen.
Es musste ja so kommen, dass man nicht einfach sich freut, dass ein bescheidener Mensch zum Papst gewählt wurde, sondern gleich in der yvergangenheit wühlt, um möglichst jeden dunklen Fleck zu finden, den es gibt. Seinem Vorgänger Benedikt hat man auch vorgeworfe, dass er eine Nazi-Vergangenheit hat, weil er Flak-Helfer war. Aber das hat Ratzinger nie geleugnet.
Im Grunde genommen wird irgendwas gesucht, was gefunden und dann möglichst jemand gefunden, der hoffentlich bezegen kann, das derjenige auch wirklich irgendwie beteiligt war. Ob nur ein Treffen mit jemand Hochrangigem oder beide Augen vor der Wahrheit verschliessen, irgendwas g
bt es immer als Begründung, um jemandem die weisse Weste zu beschmutzen.
Das beste Beispiel ist Papst Pius XII., dem heute noch das grosse Schweigen zur Last gelegt wird. Ja, er mag geschwiegen haben, aber er hat getan, was er konnte um möglichst viele Verfolgte vor dem Hitler- und Mussolini-Regime zu retten. Dabei schwebte er selbst in ständiger Gefahr von Hitlers Schergen entführt zu werden. Pläne dafür gab es. Doch das wissen kaum, denn durch das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth haben wir ein negatives Bild von Pius XII. im Kopf. Dabei weiss man inzwischen, dass Pius von einem deutschen Priester verunglimpft wurde, da dieser sich von Pius zurückgesetzt fühlte.
Man sieht also, wie man mit wenigen Worten einen Menschen fertig machen kann, bloss weil er zu einer bestimmten Zeit, sich an einem bestimmten Ort aufhielt oder geschwiegen hat.
Lassen wir doch einfach die Vergangenheit ruhen. Irgendwann muss auch Schluss sein.

Die Wahl Bergoglios mag eine Überraschung sein, da er nicht als papabile galt. Es wurden viele andere Namen genannt, darunter Odilo Scherer oder der philippinische Kardinal Tagle. Möglicherweise hatten sich im Konklave bzw. im Vorkonklave die Kardinäle wieder an einen der Favoriten von 2005 erinnert. Dort soll Bergoglio nach dem dritten Wahlgang verzichtet haben, als immer mehr Wahlstimmen auf ihn fielen. Wie wir alle wissen, wurde am 19. April 2005 Joseph Ratzinger zum Papst gewählt.
Nun ist es der Favorit von vor acht Jahren, der nun zum Nachfolger Petri gewählt wurde.
Mir ist das ganz recht, solange es nicht Bertone wurde.
Als Franziskus auf der Benediktionsloggia erschien – der Teppich, der am Balkon heruntergelassen wurde, trug nicht das Wappen seines Vorgängers -, trat er ganz schlicht in seiner weissen Courage auf. Die traditionelle rote Mozetta, den päpstlichen Schulterkragen trug er nicht, genauso wenig wie die Stola, die Zeremonienmeister Guido Marini in der Hand hielt und ihm erst später umlegte. Ein deutliches Zeichen für seine Bescheidenheit, davon zeugt nicht nur seine Namenswahl.
Mit Franziskus ist der heilige Franz von Assisi, der Gründer des Franziskaner-Ordens gemeint, und wahrscheinlich nicht, wie einige vermuteten, Franz Xaver (Francisco de Xavier), ein Jesuit, der in Ostasien als Missionar tätig war.
Franz von Asissi lebte nach dem Vorbild Jesu Christi. – Arm dem armen Christus folgen, lautete seine Maxime. – Er war Sohn aus reichem Hause und ließ das alles hinter sich, um Gott und vor allem Christus dienen zu können. Dabei trat er besonders für die Notleidenden und Besitzlosen ein, was ihm auch die Bezeichnung „Heiliger der Armen“ einbrachte. Er gründete mit seinen Mitstreitern den Minoriten-Orden (Orden der Minderen Brüder), der heute seinen Namen trägt.
Auch Papst Franziskus wird als Heiliger der Armen bezeichnet, da er gegen die Armut in Buenos Aires kämpfte. Zudem wohnte er nicht im erzbischöflichen Palais, sondern in einer Wohnung. Und wenn er unterwegs war in Buenos Aires, nutzte er das Fahrrad oder die öffentlichen Verkehrsmittel. Also ein wahres Mann des Volkes!? Wenn wir gestern seine Rede auf der Benediktionsloggia gehört haben, kann man es bestätigen. Erst einmal wünschte er der Masse, die übrigens nicht jubelte, sondern verwirrt war, wer denn nun dort stehe, einen guten Abend. Der Bann war gebrochen, als er seinem Vorgänger Benedikt gedachte und er mit dem Menschen auf dem Petersplatz für diesen betete. Danach hielt er eine Rede, in der er auch Humor bewies. Hatte ein wenig Schwerigkeiten ihn zu verstehen, obwohl er fliessend Italienisch spricht. Irgendwie klang es für mich manchmal Spanisch. Dürfte an meinen Ohren gelegen haben.
Als Franziskus nach draussen trat, sah ich eine entfernte Ähnlichkeit mit Johannes XXIII. (Angelo Roncalli), das später in den verschiedenen TV-Sondersendungen bestätigt wurde. Aber sein Gesicht erinnerte mich an Pius XII., was vor allem durch die Brille kommt. Auch jetzt noch, wenn ich mir Bilder von Franziskus ansehe, muss ich an den vielgescholtenen Papst Pius denken. An seiner Art hingegen erinnert er an Papst Johannes Paul I., der nach nur 33 Tagen im Amt unter mysteriösen Umständen verstarb. Noch heute geht das Gerücht um, dass er mittels Gift umgebracht wurde. Angeblich wollte er die gesamte Kurie umkrempeln.
Tja, das ist nach dem Vati-Leaks-Skandal auch dringend nötig. Vor allem muss so jemand wie Bertone weg. Aber wer weiss, was der durch die ganzen Überwachungsvideos im Vatikan für ein Wissen hat.

Es steht nicht nur zum ersten Mal ein Lateinamerikaner an der Spitze der katholischen Kirche, sondern auch ein Jesuit, ein Orden für Elitechristen, wie es so schön heisst.
Dass Franziskus nicht nur nach den Prinzipien seines Ordens als Papst wirken will, machte seine Namenswahl deutlich, denn er hätte sich auch Ignatius, nach dem Gründer der Jesuiten Ignatius von Loyola, nennen können. Dies hat er nicht getan. Vielleicht spielt doch Franz Xaver ein wenig bei der Namenswahl mit rein. Obwohl man vom Auftreten des neuen Papstes eher auf Franz von Assisi schliessen dürfte.
Dass ein Ordensbruder Papst geworden ist, mag nicht aussergewöhnlich sein, da bereits schon andere gab, die Ordensbrüder waren. Man muss allerdings die Geschichte des Jesuiten-Ordens betrachten. Denn 1773 wurde der Orden durch Papst Clemens XIV. aufgehoben. Dieser war zu dem schritt zwar gezwungen worden, war aber auch nicht wirklich dagegen. Erst 1814 wurde der Jesuiten-Orden durch die Bulle Sollicitudo omnium ecclesiarum
von Papst Pius VII. wieder zugelassen.
Der Jesuiten-Orden heisst eigentlich Gesellschaft Jesu und jedes Ordensmitglied trägt am Ende seines Namens das Kürzel SJ (Societas Jesu). Die Bezeichnung Jesuiten hingegen war anfangs eine Verballhornung, wurde später aber übernommen.
Jesuiten verpflichten sich zu Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Das vierte Gelübde besagt, dass die Jesuiten sich zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst verpflichten.

Wunder dürfen wir von Papst Franziskus nicht erwarten, auch nichts bezüglich dessen, dass Frauen für höhere Kirchenämter oder als Priesterinnen zugelassen werden. Da hat der verstorbene Johannes Paul II. streng verfügt, dass sich niemand mit diesem Thema beschäftigen dürfe. Tut es dennoch einer, wird er seiner sämtlichen Ämter enthoben – und sei er der Papst persönlich. Ist kein Witz.
Zudem ist er konservativ, gegen die gleichgeschlechtliche Ehe – das Wort Homo-Ehe klingt scheusslich, wie ich finde -, da hat er gegen deren Legalisierung als „Plan des Teufels‘ gewettert. des weiteren ist er gegen Abtreibung sowie Verhütung. Also alles Punkte gegen die seine Vorgänger und die Mehrheit der papabile waren.
Am Dienstagvormittag wird höchstwahrscheinlich die Amtseinweihung auf dem Petersplatz stattfinden. Und bereits am Sonntag wird er wohl das erste Mal das Angelus-Gebet sprechen.
Mit seinem Vorgänger soll er bereits gestern noch telefoniert haben. Persönlich treffen möchte er ihn auch noch. Vielleicht werden wir Benedikt sogar bei der Amtseinführung irgendwo sitzen sehen – auch wenn ich nicht persönlich dran glaube.

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Verfasst von - 14. März 2013 in Blog, Fernsehen, Kultur, Real life, Technik, Wetter, Winter

 

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Droht dem Vatikan die Apokalypse? – Papst Benedikt XVI. tritt zurück


Die Nachricht schlug am Montag ein wie eine Bombe: Papst Benedikt XVI. Tritt am 28. Februar um 20 Uhr zurück!
Als ich die Nachricht im Internet las, wollte ich es gar nicht glauben. Ich war immer überzeugt, dass Benedikt bis zum Schluss sein Amt ausführen würde. Tja, da habe ich mich geirrt. Und somit muss ich an dieser Stelle meinem ehemaligen Dozenten Herrn Berthold recht geben, der sagte, dass Benedikt zurücktreten würde. In einem Punkt irrte allerdings auch er. Denn der Papst tritt nach knapp acht Jahren zurück und nicht nach fünf, wie mein Dozent vorher sagte.
Im Grunde genommen ist es ein vernünftiger Entschluss. Bereits bei der Weihnachtsmesse konnte man sehen, dass der Papst körperlich abgebaut hatte. Mit einem Fahrgestell wurde er in den Petersdom geführt. Ob seine Schwäche von der gerade überstandenen Herz-OP kam, kann nur spekuliert werden. Aber es war letztendlich nur der Höhepunkt dessen, dass sich bei Benedikt sichtbar sein Alter für uns Zuschauer bemerkbar machte. Er sah ja schon seit einiger Zeit nicht mehr wie das junge Leben aus, dass man sich Sorgen machte, ob er denn das Amt noch würde ausführen können.
Der mutige Schritt zurückzutreten dürfte auch daher gekommen sein, dass er den Menschen und vor allem sich selbst nicht zumuten wollte, wie seine Kraft immer weiter schwindet. Benedikt wollte kein Opfer begehen wie Johannes Paul II., bei dem man am Ende nur noch darauf wartete, dass er doch endlich von seinen Leiden erlöst werden möge.
Ja, die letzten Jahre in der Amtszeit von Johannes Paul II. Führten uns vor Augen, dass ein Papst auch nur ein Mensch ist. Doch wie lange dieser körperliche Verfall dauerte und alle Welt davon Aug zeuge wurde, war erschreckend. Man soll Benedikts Vorgänger bereits nahegelegt haben zurückzutreten, was dieser mit der Begründung alehnte, Jesus sei auch nicht vom Kreuz gestiegen. Damit mag er recht gehabt haben, aber kann man einem Papst an der spitze des katholischen Glaubens noch dulden, dem der Sabber aus dem Mundwinkel läuft? Drastisch formuliert, aber genau die Frage habe ich mir damals auch gestellt.
Und dann kam Josef Ratzinger, der gerade seinen 78. Geburtstag vollendet hatte. Ein Übergangspapst, wie es hiess. Knapp acht Jahre ist er nun im Amt. Acht Jahre, die mehr Tiefen als Höhen hatten. In Benedikts Pontifikat fällt die Aufdeckung des Missbrauchskandals, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und weiteren Ländern. Dann kommt Benedikts Herabstufung des evangelischen Glaubensgemeinschaften, die nicht das Recht hätten, sich Kirche zu nennen. Bei einen radikalen evangelischen Gruppierungen kann man das durchaus nachvollziehen, aber doch nicht beispielsweise für die evangelisch-lutherische Kirche. Das war ein klarer Rückschritt in Sachen Ökomene. Aber Benedikts Hauptaugenmerk lag auch eher in der Vertiefung des Religionsaustausches mit den orthodoxen Christen und dem Islam. Bei letzterem hatte er sich 2006 einen Fauxpas geleistet, als er in seiner Regensburger Rede ein Zitat benutzte, dass den Islam auf den ersten Blick verunglimpfte. Solche Schnitzer sind Benedikt während seiner Amtszeit noch einige Male passiert. Für seine Fehler, die er während seiner Amtszeit begangen haben mag, entschuldigte er sich am Montag in seiner Rede. Auch eine schöne Geste, die zeigt, dass er sich nicht unfehlbar hält, obwohl er das Papst Amt innehat. Zwar steht er nicht konkret für einen bestimmten Fehler ein, dennoch ist es besser als nichts.
Benedikt XVI. Wird erst der zweite Papst sein, der von seinem Amt zurück tritt. Eigentlich ist er der dritte Papst, aber Gregor XII. zählt man nicht, da er als Gegenpapst gilt. Gregor dankte 1415 ab, als gleichzeitig drei Päpste geherrscht hatten. Auf dem Konzil in Konstanz war deren Absetzung beschlossen worden, doch nur Gregor zeigte sich einsichtig und dankte aus freien Stücken ab. Natürlich nicht ohne ein paar Zugeständnisse zu erhalten.
Da Gegenpäpste bis auf wenige Ausnahmen nicht gezählt werden, wird er hier auch weggelassen, weshalb Benedikt der zweite Papst in der Geschichte des Petrus-Amtes ist, der zurück tritt.
Der erste Papst vor 719 Jahren war Coelestin V., bürgerlich Pietro del Morrone. Dieser war nach zweijähriger sedisvakanz gewählt worden, nachdem sich die Kardinäle auf keinen geeigneten Kandidaten einigen konnten. Piertro del Morrone war ein Eremit, der letztendlivh mit den Intrigen und dem Verwaltungsapparat nicht zurecht kam und schliesslich am 14. Dezember 1294 abdankte.
Er wurde von seinem Nachfolger Bonifaz VIII. Im Kastel Fumone inhaftiert, da dieser befürchtete, dass es zu einem Schisma kommen könnte. Bereits 1296 starb Coelestin V. Und wurde bereits 1313 heilig gesprochen.
Zurücktreten kann jeder Papst, wenn er dafür vernünftige Gründe nennen kann. Ein einfaches ich habe keine Lust mehr.‘ genügt nicht. Dazu muss schon etwas weiter aus geholt werden, so wie es Benedikt getan hat. Ihm konnte man ansehen, dass es ihm immer schwerer fiel, das Amt so auszuüben, wie er es wollte.
Es ist ein mutiger Schritt, ein moderner Entschluss. Es ist ein Meilenstein in der Geschichte des Papsttums, von der man auch noch in einigen hundert Jahren sprechen wird.
Grosses mag Benedikt XVI. Vielleicht nicht geleistet haben, was mitunter eventuell auch an seinem Umfeld gelegen haben mag. Denn als der Hardliner, wie er als Präfekt der Glaubenskongregation galt, führte er sein Amt nicht aus. Gut, bei einigen Dingen, die er von sich gegeben hat, mochte man sich fragen, ob er das tatsächlich ernst meint. Alles in allem hat er überrascht.

Und nun geht die Frage los, wer wird Benedikts Nachfolger? Genannt worden sind schon einige, darunter leider auch Tarcisio Bertone, die so genannte Nummer zwei im Vatikan. Er ist unter anderem auch der Camerlengo. Leder schreibe ich deshalb, weil Bertone eine absolute Nullnummer ist. Neben Italienisch – seiner Muttersprache – beherrscht er gerade mal Latein. Wie er dann nur die Nummer zwei im Vatikan werden konnte, wo man dort mindestens neben den beide gerade genannten Sprachen mindestens zwei bis drei weitere beherrschen sollte, bleibt mir ein Rätsel. Zudem wurde er durch den Vati-Leaks-Skandal als relativ unfähig entlarvt. Dass er auch noch Berlusconi-Anhänger ist, ist schon fast wieder unwichtig.
Als weiterer Kandidat, der ebenfalls aus Italien stammt, gilt der Mailänder Erzbischof Angelo Scola. Nicht zu vergessen der Kanadier Ouellent, der Franzose Tauran, der Erzbischof von Manila Tagle, den Ghanaer Turkson – den Benedikt als dunkelhäutigen Papst interessant fand – und der Brasilianer Scherer, der deutsche Vorfahren hat.
All die genannten gelten als papabile. Doch wie heisst es so schön? Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Papst wieder heraus. Bei Benedikt traf dies nicht zu. Er galt als haushoher Favorit und wurde im kürzesten aller Konklave zum Papst gewählt.
Wir dürfen gespannt sein, wer es werden wird. Sollte es tatsächlich kein Europäer werden, räume ich von den genannten Scherer Chancen ein.
Man darf aber auch hier nicht vergessen, dass laut der angeblichen Prophezeiung des Malachias, Benedikt XVI. Als der 111. Papst in der Aufzählung galt und sein Nachfolger, der 112., der letzte Papst sein soll. Angeblich würde er Petrus, der Römer heissen. Und laut der Malachias-Prophezeiung würde Rom zerstört und der letzte Papst getötet werden.
Für Liebhaber von Endzeit-Vorhersagen ist das gewiss ein gefundenes Fressen. Wobei sie hier genauso auf die Schnauze fliegen können, wie bereits beim angeblichen Weltuntergang im Dezember letzten Jahres.
Man muss zu aller erst wissen, dass die Prophezeiung des Malachias als Fälschung eingestuft wird. Malachias selbst hat tatsächlich im 12. Jahrhundert gelebt und war ein Weggefährte des Bernhard von Clairvaux.
Die Prophezeiung besteht aus 112 kurzen Beschreibungen oder Orakelsprüchen. Bei Coelestin II. beginnt die Beschreibung der Amtszeit der Päpste mit Namen und endet bei Clemens VIII., der ab 1592 Papst war.
Die Malachias-Prophezeiung soll um 1590 entstanden sein, als wieder mal eine Papst Wahl anstand. Der nächste Papst wurde als aus dem Alter der Stadt‘ angekündigt, da Girolamo Simoncelli als Favorit galt. Bloss wurde es dann ein anderer, weshalb der lateinische Spruch ‚ Ex antiquitate urbis‘ zu ‚Liebhaber von Altertümern“ um gedeutet wurde.
Damit liegt also die Vermutung nahe, dass es die Prophezeiung des Malachias tatsächlich gibt, die aber laut Bernhard von Clairvaux nie einem Papst zugeschrieben worden sein soll. Damit erhärtet sich also der Verdacht, dass diese nachträglich hinzugefügt wurden.
Ist Benedikt folglich gar nicht der vorletzte Papst vor der Apokalypse? Und steht diese überhaupt an? Ist mit der Zerstörung der Siebenhügelstadt wirklich Rom gemeint? Vielleicht nicht auch der Vatikan? Seit den weltweiten Missbrauchsfällen ist die katholische Kirche mehr als angeschlagen. Gut möglich, das also dort irgend etwas geschehen wird.
Falls Tarcisio Bertone trotz aller Unzulänglichkeiten tatsächlich der nächste Papst werden sollte, steht der Vatikan einem Untergang näher als jemals zuvor. Dennoch scheint dieser sprachunbegabte Geistliche eine grössere Lobby zu haben – denn er spricht Latein. Und das scheint wichtiger zu sein als jede andere Fremdsprache und jeder Fehler, den er hat. Denn als Papst ist er unfehlbar, egal was für einen Labsus er sich leistet.
Wir werden es sehen. Frühestens am 16. März wird das Konklave beginnen.

 
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Verfasst von - 13. Februar 2013 in Blog, Fernsehen, Kultur, Real life, Technik, Wetter, Winter

 

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